Wir schreiben Freitag, den 2. September 2005: Der ESC Halle 04 bestreitet seine erste Vorbereitungspartie auf die Saison 2005/06 in der Regionalliga Ost, empfängt in der Eissporthalle am Gimritzer Damm den ESC Erfurt. Im Kader der Bulls steht ein 20-jähriger Neuzugang, der im Sommer vom Oberligisten ESV Bayreuth aus der Wagnerstadt in die Händelstadt an die Saale gewechselt ist und beim 3:2-Erfolg gegen die Thüringer seine erste Partie für Halle absolvierte.

Fünfzehn Jahre beziehungsweise 5.565 Tage später, wir schreiben Freitag, den 4. Dezember 2020: Der MEC Halle 04 reist nach Krefeld, duelliert sich in der Seidenstadt mit dem Krefelder EV 81 in der Oberliga Nord. Und jener im vorstehenden Absatz erwähnte „Rookie“ steht immer noch im Bulls-Kader, führt mittlerweile 35-jährig die Mannschaft als Kapitän aufs Eis. Sein Name? Kai Schmitz. Das Besondere? Es ist seine 500. Partie für die Saale Bulls!

Wer die Karriere von Schmitz in den letzten 15 Jahren in Halle verfolgt hat, weiß, dass er dieses Jubiläum schon deutlich früher hätte begehen können, doch u.a. ein Achillessehnen-Riss im Sommer 2018 bedeuteten eine Zwangspause von 36 Spielen. Und auch die eine oder andere größere Strafe, vor allem in seinen Anfangszeiten an der Saale, kostete dem Verteidiger die eine oder andere Partie. Oder, um es mit den Worten von Moritz Müller, dem Kapitän der Deutschen Eishockey-Nationalmannschaft und gutem Freund von Schmitz, auszudrücken: „Es hätten schon viel mehr Spiele sein können, wenn Du öfter die Handschuhe angelassen hättest.“

Rechnet man seine im Laufe der Zeit angesammelten Strafminuten in Spiele um, saß ‚El Capitano‘ 27 komplette Partien auf der Strafbank und somit quasi eine halbe Saison – alles jedoch nur zum Wohle seiner Mitspieler. „Ich würde niemals zugucken, wenn ein Mitspieler von mir verprügelt wird. Es ist egal, ob ich Kapitän bin oder bald 34 werde“, so Schmitz während der letztjährigen Playoffs. „Es gibt einfach so gewisse Dinge, die werden hier nicht stattfinden, so lange ich noch spiele. Und das ist eines davon.“

In der aktuellen Saison agiert Schmitz neben dem Eis in Doppelfunktion auch als Sportlicher Leiter des Clubs und verzichtet aufgrund der außergewöhnlichen Corona-Situation auf die ihm für diese Funktion zustehende Vergütung. Augenzwinkernd könnte man meinen, dies sei nur gerecht, wurde er ja bereits für die oben erwähnten 27 Spiele, die er nicht bestreiten konnte, weiter bezahlt.

Die Saale Bulls beglückwünschen Kai Schmitz, der als dritter Akteur der Vereinsgeschichte die magische 500-Spiele-Marke erreicht hat, recht herzlich zu diesem Jubiläum und sind stolz darauf, dass sich in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten ein anfänglich reines Arbeitsverhältnis zu einer gegenseitigen Wertschätzung und Freundschaft entwickelt hat. (Jy)

 

Kai Schmitz in Zahlen – die Angaben beziehen sich (inklusive Test- und Freundschaftsspiele) auf ALLE Partien im Bulls-Trikot:

  • kam nach der Saison 2004/05 vom damaligen ESV Bayreuth nach Halle (Regionalliga)
  • im Kader von 2005-2010 // 2012-2014 // 2015-heute
  • erstes Spiel: 02.09.2005 zu Hause gegen Erfurt, das 500. Spiel am 04.12.2020 in Krefeld
  • erstes Tor (in seinem vierten Spiel): 09.09.2005 zu Hause gegen Rostock im Alter von 20 Jahren, zwei Monaten und 30 Tagen
  • erste Spieldauer-Disziplinarstrafe: 13.01.2006 zu Hause gegen die Wedemark Farmers
  • erste Saison als Kapitän 2013/14; seit Spielzeit 2017/18 bis heute Kapitän
  • Gesamtbilanz:
    • 499 Spiele, 44 Tore (17 in Über-, eines in Unterzahl, fünf zum Sieg, sechs zur Führung, zwei Empty-Net-Goals, vier Doppelpacks), 187 Vorlagen (46 in Über-, zwölf in Unterzahl), 231 Punkte
    • 150 mal Kapitän (kann in der laufenden Saison den bisherigen Rekordhalter Georgi Kimstatsch (167 x „C“) übertrumpfen, 17 Mal Assistenzkapitän
    • 1.619 Strafminuten (darunter u.a. sechs Matchstrafen –> „Vereinsrekord“)