Vor stimmungsvoller Kulisse im Stadion am Pferdeturm in Hannover haben die Saale Bulls Moral bewiesen, doch die Aufholjagd begann zu spät.
Die Partie im Detail:
Die Saale Bulls hatten im ersten Drittel große Schwierigkeiten, Zugriff auf die Partie zu bekommen. Hannover setzte sich immer wieder lange im Hallenser Drittel fest und ließ den Bulls nur wenig Raum für einen geordneten Spielaufbau. Drei eigene Strafzeiten erschwerten die Aufgabe zusätzlich.
Das erste Bully ging an die Saale Bulls, die auch sofort den Weg nach vorne suchten und bereits in der ersten Minute zum ersten Abschluss kamen. Die weiteren Minuten der Anfangsphase gehörten danach allerdings zunehmend den Gastgebern. Nach einem Bully im Hallenser Drittel zog Jussi Petersen ins Zentrum und prüfte Wölfl, der den Versuch parierte. Hannover setzte sich anschließend immer häufiger im Drittel der Bulls fest.
In der vierten Minute wurde es nach einem Konter der Indians gefährlich. Paul Gänsslen bediente Phillip Messing, der in den Hallenser Slot lief, dort aber nicht zum Abschluss kam. Die Saale Bulls hatten zu diesem Zeitpunkt große Schwierigkeiten, selbst Struktur in ihr Spiel zu bekommen und für Entlastung zu sorgen.
In der achten Minute geriet Halle erstmals in Unterzahl. Robin Drothen musste wegen eines Bandenchecks für zwei Minuten auf die Strafbank. Zunächst gelang es den Bulls, die Indians rund 45 Sekunden vom eigenen Drittel fernzuhalten. Als Hannover schließlich doch in die Zone kam, war die Hallenser Defensive noch nicht richtig sortiert. Ryker Killins nutzte die Situation und brachte die Gastgeber mit einem verdeckten (für Wölfl) unhaltbaren Schuss 1:0 in Führung.
Auch danach blieben die Indians am Drücker. Wyatt Schingoethe lief in der elften Minute auf das Hallenser Tor zu, scheiterte mit seinem Abschluss jedoch an der Stockhand von Marco Wölfl. Die Bulls fanden offensiv weiterhin nur selten Lösungen. Kai Zernikel trug die Scheibe zwar ins Angriffsdrittel, verlor sie dort aber schnell wieder.
In der zwölften Minute versuchte Robert Hechtl mit viel Tempo für Entlastung zu sorgen, wurde jedoch bereits an der blauen Linie gestoppt. Robin Drothen übernahm die Scheibe, kam aber ebenfalls nicht zum Abschluss. Wenig später gelang den Bulls einer ihrer gefährlicheren Angriffe des ersten Drittels: Thomas Merl setzte sich bei einem Konter bis in den Slot durch und brachte trotz enger Bewachung einen Schuss auf das Tor. Indians-Goalie Timo Herden war jedoch zur Stelle.
Hannover übernahm anschließend wieder die Kontrolle und setzte sich im Hallenser Drittel fest. Marco Wölfl musste einen erneut verdeckten Schuss sichern. Kurz darauf folgte die nächste Unterzahlsituation für die Bulls: Niklas Jentsch beförderte die Scheibe über die Bande und erhielt wegen Spielverzögerung eine Zwei-Minuten-Strafe. Die Indians fanden sofort in ihre Powerplay-Aufstellung und ließen die Scheibe sicher laufen. Halle geriet dabei stark unter Druck, überstand die Unterzahl aber ohne weiteren Gegentreffer.
Auch nach Ablauf der Strafe gelang es den Bulls kaum, sich dauerhaft im Angriffsdrittel festzusetzen. Ein Konter wurde von Tom-Eric Bappert bereits an der Hallenser blauen Linie unterbunden. In der 17. Minute folgte mit einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Émil Lessard-Aydin wegen Stockschlags bereits die dritte Unterzahlsituation des Drittels.
Diesmal gelang es den Bulls, auch selbst für Gefahr zu sorgen. Nach einem Fehlpass der Indians kam Halle ins Angriffsdrittel und Nick Huard zum Abschluss. Herden lenkte die Scheibe am Tor vorbei, ein möglicher Nachschuss wurde von den nachgerückten Hannoveranern verhindert.
Kurz vor der Pause wurde es schließlich turbulent vor dem Hallenser Tor. Im Gewühl hinter und vor dem Gehäuse war zunächst eine Strafe gegen Adam Domogalla angezeigt. Hannover brachte die Scheibe dennoch in den Slot, wo Jussi Petersen sie in Richtung Tor beförderte. Ein Schiedsrichter entschied zunächst auf Treffer, anschließend wurde die Situation lange per Videobeweis überprüft. Die Entscheidung blieb bestehen: Petersen erhöhte in der 19. Minute auf 2:0, die zuvor angezeigte Strafe entfiel dadurch. Die Indians machten auch in der Schlussminute weiter Druck, ehe die erste Pause erreicht war.
Auch der zweite Abschnitt begann für die Saale Bulls denkbar schlecht: Ein Gegentreffer nach nur wenigen Sekunden und zwei weitere frühe Strafzeiten verhinderten zunächst, dass Halle wirklich in das Drittel fand.
Die Saale Bulls kamen mit einem 0:2-Rückstand aus der Kabine und wollten im zweiten Drittel einen Weg zurück in die Partie finden. Doch kaum hatte der Mittelabschnitt begonnen, mussten die Hallenser bereits den nächsten Rückschlag hinnehmen: Die Hausherren starteten blitzschnell. Nach nicht einmal acht Sekunden ging ein erster Abschluss zunächst ans Außennetz. Die Scheibe landete jedoch direkt bei einem Hannoveraner und schließlich bei Wyatt Schingoethe, der zum 3:0 einschob.
Die Bulls antworteten mit einem schnellen Konter. Émil Lessard-Aydin zog nach vorn und kam zum Abschluss, traf allerdings nur das Außengestänge. Kurz darauf geriet Halle erneut in Unterzahl. Thomas Merl musste in der dritten Minute wegen Hakens für zwei Minuten auf die Strafbank. Kaum war Halle wieder komplett, folgte bereits die nächste Strafe. Brett Schaefer musste wegen Beinstellens vom Eis. Die Bulls konnten sich mehrfach befreien, Hannover kam dennoch immer wieder zu Abschlüssen. Thomas Merl suchte nach einer Befreiung selbst den Weg nach vorn, wurde hinter dem gegnerischen Tor jedoch abgedrängt und von der Scheibe getrennt.
In der achten Minute bekamen schließlich die Saale Bulls ihre erste Überzahl. Alec Zawatsky erhielt zwei Minuten wegen Haltens. Doch auch mit einem Spieler mehr fanden die Bulls zunächst nicht in ihre Formation. Stattdessen konterten die Indians gleich mehrfach und sorgten damit selbst in Unterzahl für Gefahr. Die beste Hallenser Möglichkeit nach Ablauf der Strafe hatte Marvin Neher, ehe auf der Gegenseite erneut ein Konter der Gastgeber erst durch eine Abseitsstellung gestoppt wurde.
Nach einem weiteren Abschluss der Indians, den Marco Wölfl sicher entschärfte, ging es ins Power Break. Zu diesem Zeitpunkt musste Halle zudem zunächst auf Kai Zernikel verzichten, der vorzeitig in die Kabine gegangen war.
Danach wurden die Bulls deutlich griffiger. In der zwölften Minute musste zunächst Jari Neugebauer wegen Stockschlags auf die Strafbank. Halle war sofort in der Aufstellung und setzte die Indians unter Druck. Als kurz darauf Phillip Messing nach einem hohen Stock ebenfalls eine Zwei-Minuten-Strafe erhielt, bot sich den Bulls für knapp eineinhalb Minuten sogar eine doppelte Überzahl. Halle ließ die Scheibe laufen und versuchte, die kompakt stehende Defensive der Indians auseinanderzuziehen. Timo Herden verhinderte mit einer starken Parade den Anschlusstreffer, anschließend gelang Hannover die Befreiung. Neugebauer kehrte von der Strafbank zurück und startete unmittelbar einen Konter. Die Bulls setzten sich danach noch einmal fest, ein Abschluss von Robin Palka wurde jedoch geblockt.
Ausgerechnet mit dem Ende der zweiten Hannoveraner Strafzeit folgte der nächste bittere Moment. Phillip Messing kam von der Strafbank, brachte die Scheibe im Fallen mit der Rückhand zu Mathieu Pompei und dieser hatte plötzlich freie Bahn auf Marco Wölfl. Pompei nutzte die Gelegenheit und erhöhte in der 15. Minute auf 4:0.
Die Saale Bulls ließen sich davon jedoch nicht hängen. Robin Palka prüfte Timo Herden von der linken Seite, scheiterte aber am Hannoveraner Schlussmann. Wenig später wurden die Hallenser Bemühungen endlich belohnt. Kyle Bollers zog hinter dem Tor entlang und bediente Calder Anderson im Slot. Anderson ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen und erzielte in der 16. Minute den ersten Treffer der Bulls.
Dieser inzwischen verdiente Treffer gab den Bulls sichtbar Auftrieb. In der Schlussphase des Drittels erhöhten die Bulls den Druck und konnten sich nun häufiger im Angriffsdrittel festsetzen. Hannover konzentrierte sich zunehmend darauf, für Entlastung zu sorgen und die Scheibe sicher aus der eigenen Zone zu bekommen. Kurz vor der Pause versuchte es Petr Heider noch einmal von der blauen Linie, doch Timo Herden war erneut zur Stelle.
Die Saale Bulls Halle zeigten im Schlussdrittel beim Auswärtsspiel gegen die Hannover Indians eine starke Reaktion und kämpften sich nach einem deutlichen Rückstand noch einmal bis auf einen Treffer heran. Für die vollständige Wende reichte es am Ende jedoch nicht mehr.
Mit einem 1:4-Rückstand starteten die Hallenser in die letzten 20 Minuten. Hannover stellte sich zunächst defensiver auf, hielt die Scheibe in den eigenen Reihen und versuchte, den Bulls möglichst wenig Zugriff zu ermöglichen. Bereits in der zweiten Minute eröffnete sich für Halle jedoch eine Gelegenheit, denn Luca Trinkberger musste wegen Stockschlags für zwei Minuten auf die Strafbank.
Die Bulls fanden schnell in ihre Powerplay-Formation und kamen zu guten Möglichkeiten. Ein Abschluss landete zunächst am Pfosten. Calder Anderson versuchte es nach einem Zuspiel von Nick Huard von der blauen Linie. Huard zeigte in dieser Phase viel Übersicht und verteilte die Scheibe immer wieder gefährlich zu seinen Mitspielern. Auch Adam Domogalla fand mit einem guten Pass den einlaufenden Niklas Jentsch, der jedoch an Timo Herden scheiterte. Hannover überstand die Unterzahl ohne Gegentreffer.
Auch bei fünf gegen fünf suchten die Bulls nun konsequenter den Weg nach vorn. Robert Hechtl wurde an der Bande gestoppt, Kyle Bollers konnte einen Angriff nicht mit dem gewünschten Pass abschließen. Gleichzeitig blieb Hannover gefährlich und beschäftigte die Hallenser immer wieder in deren eigener Zone. Die Bulls versuchten deshalb, nach Scheibengewinnen schnell umzuschalten.
In der achten Minute wurde dieser Aufwand endlich belohnt. Niklas Jentsch sorgte vor dem Hannoveraner Tor für Unruhe. Im entstandenen Gewühl schnappte sich Thomas Merl die Scheibe und traf an Timo Herden vorbei ins Tor. Mit seinem Treffer zum 2:4 brachte Merl die Bulls wieder näher heran – und auch die zahlreich mitgereisten Hallenser Fans machten sich lautstark bemerkbar.
Halle erhöhte nun den Druck und fing gleich zwei Angriffe der Indians bereits an der eigenen blauen Linie ab. Hannover musste sich anschließend zweimal mit einem Icing behelfen. Ein Konter der Gastgeber brachte die Bulls in der elften Minute allerdings erneut in Unterzahl. Petr Heider blieb an Alec Zawatsky dran, konnte ihn letztlich aber nur regelwidrig vom Puck trennen und erhielt wegen Beinstellens eine Zwei-Minuten-Strafe.
Doch selbst in Unterzahl bot sich den Bulls die große Chance auf den nächsten Treffer. Marvin Neher startete einen Konter und kam zum Abschluss – der Puck landete jedoch am Pfosten. Hannover fand anschließend in die Powerplay-Aufstellung, doch die Hallenser Box stand kompakt. Die Bulls überstanden die Unterzahl und waren ab der 54. Minute wieder komplett.
Danach verlagerte Halle das Spiel erneut in die Zone der Indians. In der 55. Minute kam es vor dem Hannoveraner Tor zu einer Auseinandersetzung. Christoph Kabitzky drückte den am Boden liegenden Robin Palka aufs Eis, woraufhin Marvin Neher seinem Mitspieler zur Hilfe kam. Kabitzky erhielt wegen übertriebener Härte eine Zwei-Minuten-Strafe. Die Bulls bekamen damit die nächste Gelegenheit im Powerplay. Niklas Jentsch sorgte mit einem gefährlichen Abschluss für die beste Möglichkeit. Hannover überstand aber auch diese Unterzahl, doch Halle ließ anschließend nicht nach.
In der 58. Minute war der Anschluss schließlich geschafft. Brett Schaefer brachte die Scheibe vor das Tor und hatte den Blick für Thomas Merl auf der freien Seite. Merl nahm das Zuspiel auf und schob zum 3:4 ein. Mit seinem zweiten Treffer des Schlussdrittels machte er die Partie endgültig wieder spannend.
Die Bulls nahmen unmittelbar danach ihre Auszeit. Als die Schlussphase anbrach, verließ Marco Wölfl sein Tor für einen zusätzlichen Feldspieler. Hannover verteidigte die eigene blaue Linie jedoch konsequent und machte es den Hallensern schwer, die Scheibe noch einmal dauerhaft im Angriffsdrittel zu halten. Auf der anderen Seite verfehlte die Scheibe zweimal das verwaiste Hallenser Tor. Brett Schaefer lieferte sich zudem ein Laufduell mit Mathieu Pompei und verhinderte gleich zweimal dessen Abschluss auf das leere Gehäuse. Die Bulls bekamen dadurch ihre letzten Möglichkeiten, doch die Zeit lief ab. Der Ausgleich wollte nicht mehr fallen.
Fazit: Die Saale Bulls müssen sich vor allem über den Verlauf der ersten beiden Drittel ärgern. Hannover hatte die Partie zunächst weitgehend kontrolliert und die Hallenser Fehler konsequent bestraft. Der frühe Gegentreffer zu Beginn des zweiten Abschnitts und das 0:4 unmittelbar nach der langen doppelten Überzahl waren besonders schwere Rückschläge. Die Bulls gaben die Partie dennoch nie verloren. Bereits gegen Ende des zweiten Drittels deutete sich mit Calder Andersons Treffer zum 1:4 eine Veränderung an, im Schlussabschnitt trat Halle dann deutlich entschlossener auf. Die Mannschaft erspielte sich viele Chancen, traf zweimal den Pfosten und erhöhte den Druck auf die Indians zunehmend. Thomas Merl brachte die Bulls mit seinen beiden Treffern schließlich bis auf 3:4 heran. Damit wurde aus einer lange Zeit deutlichen Angelegenheit noch einmal eine offene Partie. Die Aufholjagd kam am Ende jedoch zu spät. Trotz eines starken letzten Drittels blieb der frühe Rückstand zu groß, und die Saale Bulls mussten die Heimreise ohne Punkte antreten. (FE)
Torschützen:
1:0 Ryker Killins – 9. (PP1)
2:0 Jussi Petersen – 19.*
3:0 Wyatt Schingoethe – 21.
4:0 Mathieu Pompei – 35.
4:1 Calder Anderson – 37.
4:2 Thomas Merl – 48.
4:3 Thomas Merl – 58.
Tore: 4:3 (2:0/2:1/0:2)
* nach Videobeweis
Mit: HWGmbH
Foto: Tim Schaubs