Wenn der Tabellenführer zu Gast beim ärgsten Verfolger ist, wenn man mit einem Sieg den Vorsprung auf sieben Zähler ausbauen kann, bei einer Niederlage jedoch nur noch einen Punkt Vorsprung hat, wenn es um die Ehre und das Prestige geht – dann spricht man von einem Spitzenspiel. So verhielt es sich auch am gestrigen Dienstagabend, als die Saale Bulls ihr zweites Auswärtsspiel binnen drei Tagen (bereits am Sonntag setzte man sich mit 8:1 gegen die Hammer Eisbären durch) zu absolvieren hatten und sich niemand Geringerem als den Tilburg Trappers gegenübersahen.

Als der Puck zum Auftaktbully eingeworfen wurde, gab es bereits die erste Überraschung des Abends. Eine Überraschung, die wohl kaum jemand mitbekommen oder als solche registriert hat, obwohl sie für jedermann sichtbar war – der Tabellenführer trat auswärts in den roten Heimtrikots an! Jenen Jerseys, in denen man die letzten 14 Heimspiele in Serie erfolgreich gestalten konnte. Absicht? Zufall? „Das ist eine gute Frage“ so Head Coach Ryan Foster nach der Partie. „Wir hatten beide Trikotsätze mit und haben uns dann einfach für die roten entschieden.“ Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

Von Beginn an lieferten sich beide Teams ein taktisch diszipliniertes Duell ohne die ganz großen Torchancen (am Ende des Auftaktdrittels finden sich lediglich 6:4 Torschüsse für die Saale Bulls auf dem Spielbericht), auch war das Auftaktdrittel weit davon entfernt, als langweilig bezeichnet zu werden. Dafür sorgte unter anderem Trappers-Verteidiger Jordy van Oorschot, der für den ersten Treffer der Partie und somit der Führung für die Bulls verantwortlich war. Was auf den ersten Blick irritierend klingt, bedarf zugegebenermaßen eine nähere Erläuterung. Jannik Striepeke wurde auf der rechten Seite mit dem Puck auf die Reise geschickt, erwehrte sich Tilburger Angriffen und passte schließlich hinter dem von Ruud Leeuwesteijn gehüteten Trappers-Gehäuse in den davor befindlichen Slot – in der Hoffnung, dort einen Mitspieler zu finden, der den Pass verwerten könnte.

Dort stand allerdings van Oorschot – und zwar aus hallescher Sicht goldrichtig. Der Puck prallte von seinem Schlittschuh unhaltbar über die Linie und sorgte somit für die hallesche Führung. Eine aus Tilburger Sicht unglückliche und ähnliche Situation, wie sie den Bulls erst vor kurzem im Derby gegen die EXA IceFighters Leipzig selbst passiert ist, Finn Walkowiak kann ein Lied davon singen… Da es im Eishockey jedoch keine Eigentore gibt, sondern der Spieler der erfolgreichen Mannschaft als Torschütze gewertet wird, der zuletzt am Puck war, wurde Striepeke der Führungstreffer zugesprochen. Assistiert von Torhüter Jakub Urbisch, der sich zuvor schon einige Male auszeichnen konnte.

In der Folge dann eine Szene, die eindrucksvoll bewies, dass ein jeder aus der Mannschaft verinnerlicht hat, dass man – gerade in Spitzenspielen – zwingend die Strafbank meiden, sich nicht provozieren lassen sollte, um dem eigenen Team keinen Bärendienst zu erweisen: In der 16. Minute gerieten Trappers-Defender Jordy Verkiel und Bulls-Angreifer Michael Fomin aneinander. Beide keine Kinder von Traurigkeit, wie ein Blick auf die Strafzeiten verrät. Und doch war es beachtlich zu sehen, wie „gelassen“ Fomin auf die Angriff Verkiels, der die Handschuhe fallen ließ, reagierte, sich nicht provozieren ließ – ohne jedoch nicht selbst zu agieren und sich zu wehren, dabei jedoch die Aufforderung nach einem Fight ignorierte, die Handschuhe anbehielt. Weshalb jedoch der Referee beide Akteure mit einer Zwei-Minuten-Strafe vom Feld schickte muss unbeantwortet bleiben, Stichwort Aktion und Reaktion…

Im zweiten Drittel verloren die Bulls kurzzeitig den Zugriff auf die Partie, überließen den Gastgebern das Spielgeschehen. Folgerichtig kamen die Trappers durch Kevin Bruijsten zum nicht unverdienten Ausgleich, der Angreifer konnte nach schöner Passstafette aus dem Slot zum 1:1 einnetzen. Und mitten in der Hochphase der Trappers die perfekte Reaktion der Bulls: Während eines Puckverlustes bei einem Angriff der Niederländer reagierte man in der neutralen Zone gedankenschnell und leitete einen Konter ein. Lukas Valasek zieht Richtung Tor, wird dabei gestört und passt zu dem hinter ihn stehenden Tatu Vihavainen – und der Finne netze über die Schulter von Leeuwesteijn zur erneuten Führung der Saale Bulls ein.

Im letzten Drittel dann die finale Entscheidung: In der 44. Minute schiebt Patrick Schmid einen Abpraller zum 3:1 über die Linie, Kapitän Sergej Stas sorgt fünf Minuten später für den nächsten Treffer, ehe Lukas Valasek acht Minuten vor dem Ende einen „Tic-Tac-Toe“-Angriff über Joonas Niemelä und Tatu Vihavainen zum finalen 5:1 abschließen konnte. „Das war ein sehr wichtiger Sieg, ich bin sehr stolz auf die Jungs“, so Foster. „Wir wussten, das wird ein hartes Spiel werden, das war heute ein exzellenter Auftritt von uns.“ Ähnlich sieht es auch sein Gegenüber, Trappers-Coach Dave Livingstone: „Unsere besten Spieler waren heute nicht die Besten. Halle wollte den Sieg mehr als wir, spielten geradliniger und härter.“

Mit dem Sieg gegen die Trappers haben die Saale Bulls ihre Tabellenführung ausbauen können, haben nun sieben Zähler Vorsprung auf die auf Rang drei abgerutschten Niederländer. Auf dem zweiten Platz befinden sich nun die Hannover Scorpions, die vier Punkte Rückstand, allerdings aus schon zwei Partien mehr als die Hallenser absolviert haben. (Jy)

Tilburg Trappers – Saale Bulls Halle 1:5 (0:1, 1:1, 0:3)

    

0:1 (10:19) Striepeke (Urbisch)

1:1 (28:47) Bruijsten (Stempher, Hermens)

1:2 (35:06) Vihavainen (Niemelä)

1:3 (43:39) Schmid (Schütt, Stas)

1:4 (48:13) Stas (Hoffmann, Hildebrand)

1:5 (51:13) Valasek (Vihavainen, Niemelä)

Strafminuten: Tilburg Trappers 4, Saale Bulls Halle 4