Halle/Rostock. Die beiden Aufeinandertreffen in der Pre-Season zwischen den Saale Bulls und den Crocodiles Hamburg waren – einhergehend mit zu diesem Zeitpunkt wenig überraschenden defensiven Abstimmungsproblemen – ein reines Offensivspektakel, ganze 25 Treffer erzielten beide Mannschaften während der Duelle Anfang September.

yAcht Wochen später trafen beide Teams erstmals in der Hauptrunde beim Kampf um Punkte aufeinander, am Freitagabend waren die Hanseaten zu Gast im Sparkassen-Eisdom – und die beiden Testspiele selbstredend noch im Hinterkopf. „Vorbereitung ist Vorbereitung, beide Spielen waren sehr offen“, so Hamburgs Head Coach Henry Thom vor dem Bully. „Ich glaube, so viele Tore werden wir hier heute nicht sehen.“ Und auch Marius Riedel, Cheftrainer der Hausherren, erinnerte sich an die 6:8- und 4:7-Niederlagen. „Das waren sehr ereignisreiche Spiele mit vielen Toren. Wir versuchen, es heute etwas defensiver zu gestalten und das Spiel zu gewinnen.“

Herdens Monstersave

Dementsprechend traten seine Mannen auch von Beginn an auf. In den ersten Minuten hatten die Bulls mehr Spielanteile und waren das druckvoller agierende Team. „Wir haben uns am Anfang ein wenig gerettet“, so Thom über die ersten rund zehn Minuten, in denen vor allem Crocodiles-Goalie Kai Kristian im Blickpunkt stand. „Aber je länger das Spiel dauerte, desto besser kamen wir herein.“ Genauer gesagt ab der Mitte des Auftaktdrittels und ab jener Szene, die man getrost ins Torhüter-Handbuch aufnehmen kann: Denn nach einem – und das sollte man auch trotz Vereinsbrille so bezeichnen –, mit zwei spektakulären Pässen überragend vorgetragenen Angriffes, packte MEC-Goalie Timo Herden einen Monstersave aus und setzte damit ein Zeichen. Ab diesem Zeitpunkt waren die Gäste im Spiel, übernahmen mehr und mehr die Kontrolle – die Torsirenen blieben im ersten Drittel trotzdem stumm. Auch, weil beide Mannschaften die sich ihnen in Überzahl bietenden Möglichkeiten nicht nutzen konnten, auch einem vierminütigen Powerplay der Hausherren blieb der Erfolg verwehrt.

„Ja, es sieht bislang gut aus, aber wir müssen mehr Schüsse aufs Tor bringen und unser Powerplay nutzen“, so Bulls-Angreifer Thore Weyrauch nach dem ersten Drittel. Rund sechs Minuten nach Wiederanpfiff bot sich den Hallensern dann die nächste Chance, in numerischer Überlegenheit zum Torerfolg zu kommen. Die Referees verhängten gleich zwei, unabhängig voneinander geahndete, Regelverstöße der Crocodiles, bei denen in beiden Fällen Bulls-Defender Thomas Gauch der gefoulte Akteur war – eine so nur selten gesehene Konstellation und sicherlich ein Kuriosum. „Wir ziehen hier zwei Strafen, was sicherlich etwas unglücklich war“, so Gäste-Angreifer Maximilian Schaludek, der von der Strafbank ansehen musste, wie die Händelstäder ihre personelle Überlegenheit ausnutzen konnten: Beim Fünf-gegen-Drei-Überzahl netzte Dennis Schütt zum 1:0 für die Saale Bulls ein, die somit zum 600. Mal in der Vereinsgeschichte den ersten Treffer einer Partie erzielen konnten.

Stolz und Mannschaft und Leistung

In einem zerfahrenen Mitteldrittel („Ich weiß auch nicht, woran das gelegen hat“, so Schaludek), stellten die Gäste mit dem Ausgleich in der 36. Minute die Partie wieder auf Anfang und sorgten somit für das nächste Kuriosum: Denn nach einer Zwei-Minuten-Strafe für Bulls-Goalie Herden schaffte es sein Hamburger Pendant Kristian mit dem Assist zum Ausgleich ebenfalls aufs Scoreboard. Es kommt nicht oft vor, dass gleich zwei Goalies auch auf der rechten Seite eines Spielberichtes Erwähnung finden …

Im dritten Abschnitt war es dann der ehemalige Hallenser Maximilian Spöttel, der mit dem 2:1 für die Hamburger in Überzahl für die erstmalige Führung der Gäste sorgte und die Partie zu Gunsten der Hanseaten drehen konnte. Ein Nackenschlag für die Saale Bulls? Mitnichten! „Die Mannschaft zeigt unglaublichen Willen. Wir haben Großchancen, die wir leider nicht nutzen – und trotzdem gibt sie nicht auf, glaubt an sich. Und dann machen wir erst den Ausgleich und später noch das Siegtor“ spielt Riedel zunächst auf das 2:2 durch Kapitän Sergej Stas mit dessem 150. Scorerpunkt im MEC-Trikot als auch den Game-Winner durch Matias Varttinen an. „Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft und die gezeigte Leistung.“ (Jy)

Erster Sieg der Auswärtstour

Das erste Spiel der Heimspielpause führte die Bulls zu den Rostock Pirnhas, die zwar auf dem vorletzten Platz der Tabelle dümpelten, aber beweisen wollten, dass sie Biss haben. Halle fuhr gut auf und behielt auch in Unterzahl die Überhand. Ausgerechnet im Überzahlspiel gelang es den Rostockern, den Puck zu entwenden und mit einem geschickten Alleingang in Führung zu gehen.

In der 14. Minute drehten unsere Jungs dann einen Angriff der Piranhas und Dennis Gulda erzielte der Augleich. Die letzte Minute des ersten Drittels bot allerhand – Lukas Valasek gelang mit Unterstützung von Tatu Vihavainen ein schneller Treffer und damit war das Spiel gedreht. Das wiederum ließ das ein oder andere Gemüt aufkochen und man bat sich zum Tanz.

In den folgenden 20 Minuten setzten die Bulls da an, wo die Pause sie unterbrochen hatte. Sie nahmen die Rostocker in die Mangel und konnte Ausgleichsversuche eindämmen. Um es den Gastgebern nicht zu einfach zu machen, netzte Sergej Stas in der 26. Minute ein und legte die Latte mit dem 1:3  höher. So hoch, dass es den Piranhas nicht gelang aufzuholen.

Im letzten Drittel blieben die Rostocker bissig, aber nicht effizient. Kleine Fehler nutzten unsere Jungs routiniert aus und nahmen den Piranhas den Puck wieder ab, bevor er gefährlich wurde. Nach einer nicht gegebenen vermeintlichen Strafe wurde das Spiel etwas rauer. Rostock stand daraufhin in Überzahl auf dem Eis und witterte die Chance zu verkürzen. Doch die Bulls wussten sich zu verteidigen und nicht einmal als noch ein weiterer Hallenser auf die Strafbank musste, konnten die Hausherren einnetzen. Mit drei Punkten im Gepäck geht die Reise weiter. Station am Dienstag: die Tilburg den Trappers. (CH)