Liebe Fans und Freunde der Saale Bulls,

Mitte März warf uns der Auftakt der Corona-Pandemie überraschend aus der Bahn und stellt uns alle seitdem vor große Herausforderungen. Während der letzten Wochen und Monate bestimmte Corona den Alltag von uns allen und verlangte vollste Aufmerksamkeit.

Ausgangslage

Unser Spitzenverband, der Deutsche Eishockey Bund, erkannte die gesundheitlichen Risiken frühzeitig und beschloss gemeinsam mit den Clubs einen vorzeitigen Saisonabbruch. Die Play-offs, der sportlich und wirtschaftlich attraktivste Saisonzeitraum, wurde aus dem gemeinsamen Verantwortungsbewusstsein heraus ohne Zögern geopfert, um keine unnötigen Risiken für Sportler und Zuschauer einzugehen.

Lichtblicke und Herausforderungen

Seit 2004 haben die Saale Bulls erfolgreich einige Hochwasser überstanden, zwei Umzüge der Spielstätte absolviert und sowohl sportlich als auch abseits des Eises einige Täler durchschreiten müssen. Doch Corona wird als unser schwerster Gegner in die Vereinschroniken eingehen.

Auch unsere Kommunikation haben wir den verschobenen Prioritäten angepasst und unseren Fokus auf die Bewältigung der zusätzlichen Herausforderungen gelegt.

Die geänderten Rahmenbedingungen zwangen uns, alles auf den Prüfstand zu stellen, um für harte Zeiten bestmöglich gewappnet zu sein. Sie gaben uns jedoch auch die Chance, die Saale Bulls neu auszurichten und unsere Strukturen zu optimieren. Wir befinden uns weiterhin mitten in diesem Transformationsprozess, der sowohl organisatorisch als auch personell zukunftssicher gestaltet werden soll.

Eine Vielzahl an denkbaren Szenarien haben wir während der letzten Wochen und Monate kalkuliert und dafür Vorbereitungen getroffen, um diese bestmöglich zu meistern. Unsere solide wirtschaftliche Basis, über die wir dank unserer zahlreichen Sponsoren und Partner verfügen, hilft uns dabei, diese Zerreißprobe wohl überstehen zu können. Absolute Sicherheit ist in diesen Zeiten jedoch illusorisch, wie wir alle wissen.

Langfristige Sicherheit und Verantwortung

Gekoppelt an unseren langjährigen Nutzungsvertrag für den Sparkassen-Eisdom, mit einer Laufzeit von 15 Jahren, stand bereits seit letztem Jahr eine wesentliche Erweiterung unseres Aufgabenspektrums und damit einhergehend der Verantwortung für den halleschen Eissport fest.

Mit Beginn der Saison 2020/21 haben sechs neue Kollegen und Kolleginnen unseres Service-Teams (darunter vier Eismeister) ihre Arbeit im Sparkassen-Eisdom angetreten und sorgen zukünftig u.a. für eine optimale Eisqualität, eine saubere Halle sowie die Pflege der Außen- und Grünanlagen. [Seit Eröffnung von Sachsen-Anhalts einziger Eissporthalle im Jahr 2014 zeichnete sich die Stadt Halle für die Eis- sowie Objektpflege verantwortlich und übertrug diese Aufgaben nun auf die Saale Bulls bzw. die MEC Halle 04 UG.]

Bei der für das öffentliche Eislaufen zuständigen Gesellschaft sind dadurch mittlerweile acht Vollzeitbeschäftigte angestellt. Vervollständigt wird das Eishallen-Team durch ca. 25 Beschäftigte auf Minijobbasis, vorwiegend Studierende der hiesigen Universität, die während der Wintersaison im Sparkassen-Eisdom arbeiten.

Seit 1. September ist zudem eine Auszubildende zur Veranstaltungskauffrau hinzugekommen, für die wir in den kommenden drei Jahren die Verantwortung im Rahmen der betrieblichen Ausbildung übernehmen. Ergänzt wird unsere kleine Ausbildungsoffensive durch eine Praktikantin, die uns bis Juli 2021 unterstützt bzw. bei uns lernt. Bewusst übernehmen wir damit mehr gesellschaftliche Verantwortung und wollen zwei jungen Menschen – im Rahmen unserer Möglichkeiten – Perspektiven eröffnen. Zudem möchten wir die Potentiale von sozialen Medien wie Instagram und TikTok mit ihrer Hilfe weiter ausschöpfen bzw. unsere Reichweite vergrößern.

Auch abseits des Eises engagieren wir uns auf vielseitige Art und Weise. Dabei sind wir stets bestrebt das hallesche Stadt- und Gesellschaftsleben zu bereichern bzw. karikative Zwecke zu fördern. Die Saale Bulls sind für die über 700 aktiven Sportler/-innen des halleschen Eishockeynachwuchs seit 2004 identitätsstiftend und essentiell für den einzigen „Eissport-Leuchtturm“ Sachsen-Anhalts.

Personelle Corona-Konsequenzen

Die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle mussten bereits seit dem Saisonabbruch im März in Kurzarbeit gehen. Darüber hinaus fielen einerseits die geplanten Stellen eines Sportlichen Leiters sowie eines Co-Trainers unseren einschneidenden Einsparungen zum Opfer. Andererseits entschieden sich angesichts der Unwägbarkeiten mit Johannes Ehemann und Steven Bär gleich zwei Akteure freiwillig dafür, die „Kufen an den Nagel zu hängen“ und sich fortan Aufgaben abseits des Eises zu widmen.

Mit allen 35 der überwiegend Vollzeit-Mitarbeitenden (Spieler, Management, Servicepersonal etc.) einigten wir uns kollegial über einen prozentualen Gehaltsverzicht in Höhe von bis zu 20%, um Personalkosten zu reduzieren. Jeder von uns möchte so seinen individuellen Anteil zum Fortbestand des Clubs und des Eissports in Halle (Saale) beitragen.

Zu den über 60 direkt angestellten Kolleginnen und Kollegen kommen an Spieltagen etwa 50 weitere Beschäftigte (u.a. Catering und Sicherheitsdienst) sowie knapp 30 ehrenamtliche Helfer hinzu. Auch Ihnen gegenüber tragen wir eine unmittelbare soziale Verantwortung, die wir auch weiterhin sicherstellen wollen.

Hygienekonzept als Türöffner für den Eissport

Aktuell stimmen wir das in den letzten Wochen erstellte und knapp 100 Seiten umfassende Hygienekonzept weiter mit der Stadt Halle (Saale) ab. Die daraus konkret resultierenden Maßnahmen für den Spielbetrieb werden wir nach finaler Freigabe kommunizieren. Nach derzeitigem Stand dürfen lediglich 500 Zuschauer unseren Heimspielen beiwohnen, was unsere finanziellen Spielräume an die Grenzen führen würde.

Auch unter diesen Gesichtspunkten wird unser Livestream weiter ausgebaut und eine gemeinsame Vermarktung der Oberliga Nord in Kooperation mit SpradeTV angestrebt. Ziel ist es, möglichst vielen Fans – trotz Zuschauerbeschränkungen – den Zugang zu unseren Heimspielen zu ermöglichen.

Dennoch: Unser Konzept ist ein wesentlicher Baustein für den Fortbestand des halleschen Eishockeys, dessen Umsetzung wir nur gemeinsam erfolgreich realisieren können. Dies betrifft sowohl das öffentliche Eislaufen, den Schulsport, den Breiten- und Freizeitsport und natürlich unsere Heimspiele sowie das Training der Saale Bulls. Einen für alle Nutzer sicheren Betrieb zu gewährleisten, genießt oberste Priorität. Der Gesundheit der Sportler, Mitarbeitenden und Gäste wird auf Basis des ausgearbeiteten Konzepts in höchstem Maße Sorge getragen werden.

Eislaufen seit 01. September wieder möglich!

Nach gut einer Woche seit Wiedereröffnung lässt sich hier ein durchaus positives Zwischenfazit ziehen. Alle Nutzer/-innen akzeptieren die Notwendigkeit der Maßnahmen und tragen diese mit. Die besonderen Trainingsbedingungen verlangen von Sportler/-innen sowie Trainer/-innen noch mehr Nachsicht ab, sind aktuell jedoch leider alternativlos. Auch hier eint uns alle die Hoffnung, gestärkt aus diesem Eissport-Stresstest hervorzugehen.

Dennoch können wir nicht alle Faktoren aus eigener Kraft heraus beeinflussen und sind auf breite Unterstützung angewiesen – von Fans, Sponsoren, der Stadt Halle (Saale), aber auch der Politik auf Bundesebene.

Finanzielle Konsequenzen

Bedingt durch die Schließung des Sparkassen-Eisdoms und dem damit einhergehenden Ausfall der Playoff-Spiele der Saale Bulls (Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen, Provisionen Fanartikelverkäufe und Catering) wurden Verluste erwirtschaftet. Kumuliert belief sich unser coronabedingt negatives Saisonergebnis auf 85.000,00 €. Durch ein virtuelles „Summergame Derby“ konnten wir – abzüglich der Kosten für die technische Realisation etc. – ca. 22.000,00 € einnehmen und unser Saison-Minus auf rund 63.000,00 € reduzieren. Dank der einmaligen Soforthilfe des Bundes verkleinerte sich unser Defizit der Saison 2019/20 auf ca. 50.000,00 €.

Allein die bisherigen Konsequenzen der Corona-Pandemie brachten uns – unverschuldet – in eine außergewöhnliche wirtschaftliche Notlage, deren weitere Ausmaße wir aktuell lediglich erahnen können.

Unter den aktuellen Rahmenbedingungen dürften, statt der bisher zugelassenen 2.500 Zuschauer, nur noch 500 (zzgl. Mitarbeiter) unsere Heimspiele besuchen. Das entspräche lediglich nur 1/3 unserer sonst üblichen Zuschauerzahlen, also durchschnittlich 1.500 Fans pro Spiel. Seitens der zuständigen Behörden wurde eine Ausnahmegenehmigung bislang abgelehnt. Wir sind jedoch in ständigem Austausch mit den hier Verantwortlichen, um weitere Anpassungen vorzunehmen bzw. zusätzliche Maßnahmen prüfen zu lassen (z.B. Pool-Testung vor den Spielen), um die Erlaubnis für noch mehr Fans zu den Heimspielen zu erhalten.

Die Einnahmen aus Ticketing, Catering und Merchandising Provisionen sind essentieller Bestandteil beim Eishockey bzw. unseres soliden, wirtschaftlichen Fundaments. Die vermeldeten Sponsoren-Neuzugänge können bis dato nicht in Größenordnungen zur finanziellen Entlastung beitragen. Zudem erfolgen die Zahlungen frühstens mit Erbringung der (Werbe-) Leistung. Folglich gerät diese Einnahme-Säule ebenfalls ins Wanken.

Gleichzeitig müssen zur Umsetzung des Hygienekonzepts für den Sparkassen-Eisdom zusätzliche Mittel durch uns aufgebracht werden. Infrastrukturelle Modifikationen, wie z.B. die notwendigen Erweiterungen der für den Nachwuchsbereich benötigten Zusatz-Kapazitäten (für Umkleidekabinen und Sanitärbereiche), konnten hierbei noch gar nicht berücksichtigt werden, zu Lasten aller Sportler/-innen.

Unser coronabedingtes Netto-Defizit beläuft sich demnach (prognostiziert) auf einen sechsstelligen Betrag bis zum Ende der Saison 2020/21. Unser Fokus liegt im wirtschaftlichen Bereich daher auf der Akquise neuer Partner sowie der Suche nach geeigneten Förderprogrammen auf Bundes- bzw. Landesebene, an denen wir partizipieren dürfen.

Von Bundesmitteln bislang ausgeschlossen

Während seitens des Bundes bereits 200 Millionen Euro Zuschüsse für „Sportvereine und Unternehmen im professionellen und semiprofessionellen Wettbewerb im Bereich der olympischen und paralympischen Individual- und Mannschaftssportarten in der 1. Und 2. Liga der Männer und der Frauen sowie in der 3. Fußballbundesliga der Männer“ (vgl. Eckpunkte zu den Corona-Überbrückungshilfen des Bundes für Profisportvereine) verabschiedet wurden, blieben die Clubs der 3. Deutschen Eishockey Liga bislang außen vor.

Hier wurde in den letzten Wochen auf allen Ebenen gearbeitet und gekämpft – Verband, Clubs und Fans verschafften sich Gehör. Denn: die freiwilligen Leistungen der Bundesrepublik Deutschland wirken – durch deren ungleiche Verteilung – in hohem Maße wettbewerbsverzerrend zwischen den auf professioneller Ebene ausgeübten Sportarten. Die existenzbedrohende Situation ist auch in der 3. Deutschen Eishockey Liga allgegenwärtig und ein Fortbestand nur durch externe Hilfe realisierbar.

Ein eindringlicher Appell aller Teams der Oberliga Nord richtete sich daher an die Politik, die kurzfristig bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen schaffen müsste, u.a. zum Kurzarbeitergeld bei punktuellen Lockdowns, die einzelne Teams betreffen könnten. Ebenso wäre die Einbeziehung der 3. Deutschen Eishockey Liga in das Überbrückungsprogramm des Bundes für Sportvereine ein bedeutender Schritt zur Sicherung aller Standorte und damit der Zukunft des deutschen Eishockeys.

Seit gestern häufen sich die Signale aus der Politik, dass wir in diesem letzten, jedoch wichtigsten Punkt nötiges Gehör gefunden haben. Alles deutet darauf hin, dass die Corona-Überbrückungshilfen nun auch auf alle dritten Ligen der olympischen, nicht-olympischen und paraolympischen (semi-)professionellen Sportvereine, Verbände und Unternehmen erweitert werden. Dies wäre ein immens wichtiger Meilenstein und auch ein großes Stück weit mehr Sicherheit für uns alle und den Fortbestand des Eissports.

Heiß auf Eis – Eishockey Saison 2020/21 startet voraussichtlich im November

Wie wir alle warten auch die Spieler ungeduldig auf den Beginn der neuen Saison. Unser Kader für die Saison 2020/21 steht in den Startlöchern. Nach aktuellem Stand sollen die Punktspiele der Oberliga Nord ab Mitte November starten, jedoch ist die endgültige Entscheidung noch offen. Sobald es Neuigkeiten gibt, werden wir darüber in unseren Medien sofort berichten!

Die Oberliga Nord wird – nach jetzigem Stand – mit 13 Clubs an den Start gehen. Nachdem mit Duisburg und Essen sehr frühzeitig zwei ehemalige DEL Clubs bzw. deren Nachfolgevereine freiwillig den sportlichen Abstieg in die 4. Liga gewählt hatten, standen mit den Herforder Ice Dragons, den Hammer Eisbären sowie den Rockets vom EG Diez-Limburg gleich drei Aufsteiger parat, um die Liga zu vervollständigen. Somit ist die geplante Doppelrunde, an die sich die Verzahnung mit der Oberliga Süd zu den Play-offs anschließt, gesichert – wenn auch vorerst nur auf dem Papier.

Leider bangt die Liga dieses Jahr noch um den Standort Leipzig, dem u.a. aufgrund eines fehlenden Nachweises zur Spielstätte bislang die Zulassung durch den DEB verweigert wurde. In den nächsten Tagen erhoffen sich alle Beteiligte Klarheit über die Zukunft unseres Derbygegners, mit dem uns seit vielen Jahren eine innige Hass-Liebe verbindet.

Einer der wenigen positiven Nebeneffekte dieser schwierigen Zeit ist der gewachsene und starke Zusammenhalt zwischen den Teams der Oberliga Nord. Die Kommunikation zwischen den Verantwortlichen ist intensiver und nachhaltiger als bisher. Trotz der lokal unterschiedlichen Rahmenbedingungen bzw. Eindämmungsverordnungen versucht man, einen gemeinsamen Weg zu finden, um die Krise vereint überstehen zu können.

IN DIESEM SINNE: Lasst uns gemeinsam gestärkt aus diesen turbulenten Zeiten hervorgehen. Eishockey aus Halle (Saale) ist und bleibt für uns alle – auch dank Eurer Unterstützung – die „schönste Nebensache der Welt“. Wir freuen uns, Euch bald wieder im Sparkassen-Eisdom begrüßen zu dürfen und hoffen, auch weiterhin auf Eure langjährige Treue bauen zu dürfen!

Bleibt wohlauf und uns weiterhin gewogen.

Es grüßt Euch herzlichst das gesamte Team der Saale Bulls