Der erste Eindruck zählt, der letzte bleibt? Auch wenn so Mancher diesen Grundsatz aus der Psychologie auf die abgelaufene Saison der Saale Bulls anwenden könnte, so wird die Spielzeit 2021/22 dennoch und trotz des abrupten Endes im Viertelfinale als eine besondere in die Vereinsgeschichte eingehen. „Ich stelle nichts in Frage, aber das Saisonende war schon ernüchternd“, so ein ehrlicher Kai Schmitz, Sportliche Leiter der Saale Bulls. „Wir haben in den Playoffs nicht das Hockey gezeigt, was wir spielen können und in der Hauptrunde auch schon gezeigt haben. Wir waren zu undiszipliniert, das war nicht zufriedenstellend“, so der 36-Jährige nach dem Ausscheiden gegen die Eisbären Regensburg.
 
„Unser grundsätzliches Problem in den Playoffs und auch schon in der Hauptrunde waren die Strafzeiten“, analysierte Head Coach Ryan Foster unmittelbar nach Spiel vier und erhält dabei Unterstützung von MEC-Präsident Daniel Mischner. „Diese Undiszipliniertheiten haben uns überhaupt nicht gefallen und werden wir in der kommenden Saison auch sanktionieren.“ Neben jenen Undiszipliniertheiten trugen sicherlich auch die verletzungsbedingten Ausfälle zur Unzeit – neben den bereits zuvor ausgefallenen Dennis Schütt und Pascal Grosse fehlten zusätzlich Michael Fomin (Knie), Roman Pfennings (Gehirnerschütterung) und Philipp Halbauer (Knöchelbruch) – dazu bei, dass man sich am Ende dem Südligisten geschlagen geben musste. „Wir haben in den Playoffs leider ein ganz anderes Gesicht als in der Hauptrunde gezeigt. Am Ende des Tages war es auch schade, dass die Führungsspieler nicht so präsent waren, wie sie es hätten sein müssen“, so Mischner und Schmitz unisono über das Aus in der Runde der besten acht Teams. „Wir hatten natürlich andere Vorstellungen. Wir hatten uns als Ziel das Halbfinale gesetzt“, verrät Foster die interne Zielvorgabe. „Das haben wir leider nicht erreicht.“
 
Dabei begann die Spielzeit 2021/22 für die Saale Bulls vielversprechend. Angetreten mit dem Ziel, sich von Beginn an im oberen Tabellendrittel der Oberliga Nord festzusetzen, zeichnete sich bereits frühzeitig ab, dass man zum engeren Favoritenkreis auf den Meistertitel gehört, ein Titelgewinn Realität werden könnte. Eine beeindruckende Heimstärke (man blieb in der Hauptrunde nur zweimal im Sparkassen-Eisdom gänzlich ohne Zähler, konnte 15 Partien in Folge vor eigenem Publikum erfolgreich gestalten), gezielte Verstärkungen des ohnehin hervorragend zusammengestellten Kaders während der Saison, sieben Siege aus den direkten acht Duellen gegen die Hannover Scorpions und die Tilburg Trappers, die Meister der vergangenen vier Jahre, mit Ausnahme des Hauptrundenendes nie zwei Niederlagen hintereinander sowie konstant gute Leistungen auf hohem Niveau deuteten immer mehr an, dass der MEC nicht mehr als Mit-, sondern als Top-Favorit auf den Titelgewinn zu zählen war. „Wir haben tolles Eishockey gezeigt und eine phänomenale Hauptrunde gespielt, auf die wir auch stolz sind“, so Schmitz – und die Zahlen unterstreichen das: Beeindruckende 114 Punkte fanden sich am Ende auf der Habenseite wieder, gleichbedeutend mit einem neuen Vereinsbestwert und nun minimal weniger als der bisherige Liga-Rekordwert von 118 Zählern der Tilburg Trappers aus der Saison 2018/19, mit 221 Toren (4,70 pro Spiel) sowie 121 Gegentreffern stellte man zudem die die zweitbeste Offensive sowie drittbeste Defensive der Liga.
 
Zahlen und Leistungen, welche am 1. März schlussendlich belohnt wurden: Nach neun Jahren ohne Titelgewinn sicherten sich die Saale Bulls in der stärksten Oberliga aller Zeiten die vielumjubelte und absolut verdiente Nordmeisterschaft. Eine Meisterschaft, die sich ab sofort auch in der Vita von Pascal Grosse, Michael Fomin, Tim May und Jannik Striepeke wiederfindet. Die Verantwortlichen des MEC bedanken sich bei den vorgenannten Akteuren für ihren Einsatz und Engagement im Bulls-Trikot und wünschen ihnen auf ihrem weiteren privaten wie sportlichem Lebensweg alles Gute, werden sie doch in der kommenden Spielzeit nicht nach Halle zurückkehren.
 
Die Sportliche Leitung und der Vorstand des MEC arbeiten bereits seit geraumer Zeit daran, nicht nur diese nun offenen Stellen nachzubesetzen, sondern sind versucht, den Großteil des aktuellen erfolgreichen Kaders weiter zu binden und sind guter Hoffnung, bereits in den kommenden Tagen neben den bereits unter Vertrag stehenden Spielern weitere Personalien fixieren und veröffentlichen zu können. Es ist und bleibt das Ziel, eine starke Mannschaft noch stärker zu machen, nach der fünften Meisterschaft jetzt Titel Nummer sechs und erneut den DEL2-Aufstieg ins Visier zu nehmen. Es ist leichter, einen Titel zu gewinnen als zu verteidigen. Doch genau dies ist der eigene Anspruch, denn Stagnation bedeutet Rückschritt.
 
Die Saale Bulls bedanken sich bei allen Fans und Sponsoren für die Unterstützung während der abgelaufenen Saison und freuen sich, gemeinsam den eingeschlagenen Weg auch in der Spielzeit 2022/23 fortzusetzen. (Jy)