Sekt oder Selters, Sieg oder Sommerpause? Die Vorzeichen waren klar: Nur mit einem Erfolg im vierten Aufeinandertreffen mit den Eisbären Regensburg hätte sich den Saale Bulls die Chance geboten, am Sonntag ein finales fünftes Duell um den Einzug ins Oberliga-Playoff-Halbfinale einzuziehen. Mit 1:2 lag man in der im Best-of-five-Modus ausgtragenen Viertelfinalserie bereits gegen den Südligisten im Hintertreffen und stand mit dem Rücken zur Wand – und blieb am Ende chancenlos.
 
Mit lediglich 14 Feldspielern angereist, neben den bereits zuvor ausgefallenen Dennis Schütt und Pascal Grosse fehlten zusätzlich verletzungsbedingt Michael Fomin (Knieprobleme), Roman Pfennings (Gehirnerschütterung) sowie Philipp Halbauer (Knöchelbruch), machte man sich zunächst das Leben selber schwer. Vier kleine Strafen in den ersten sieben Minuten ließen keinen Rhythmus und Spielfluß aufkommen und spielte vielmehr den Gastgebern in die Karten, die durch Andrew Schembri und Richard Divis in einfacher bzw. doppelter Überzahl früh mit 2:0 in Führung gehen konnten. Die folgerichtige Auszeit von Head Coach Ryan Foster schien augenscheinlich gefruchtet zu haben, in der zweiten Hälfte des Auftraktdrittels agierten die Bulls besser und druckvoller und hatten ihrerseits Möglichkeiten, die sich ihnen aus Strafen der Gastgeber resultierenden Powerplaychancen zu nutzen. Doch Patrick Berger im Gehäuse der Eisbären wuchs an diesem Abend über sich hinaus und hielt seinen Kasten bis zur ersten Pause mit so mancher Glanzparade sauber.

Und auch im zweiten Spielabschnitt erwies sich der Linksfänger zunächst als Unterschiedsplayer: Sofort mit Wiederanpiff rannten die Bulls das Eisbären-Gehäuse an – überwinden konnte sie den 24-Jährigen dank eines ausgezeichneten Penaltykillings seiner Vorderleute jedoch auch in Überzahl nicht. Erst unmittelbar nach dem dritten Regensburger Treffer war es Joonas Niemelä, der die Bulls mit dem Tor zum 1:3-Anschluss aufs Scoreboard brachte. Tatu Vihavainen spielte den Puck hinter dem EVR-Gehäuse stehend in den Slot, wo sein finnischer Landsmann nur noch den Schläger hinhalten musste. Ein anschließender Doppelschlag in Überzahl brachte die Hausherren mit 5:1 in Führung, kurz vor der zweiten Pause machten die Eisbären das halbe Dutzend Treffer voll.

Es zeichnete die Bulls aus, dass sie sich trotz des Rückstandes und der drohenden Niederlage nicht aufgaben, weiterhin ihr Heil in der Offensive suchten – und folgerichtig ins offenen Messer rannten, zwei Gegentore binnen 50 Sekunden ließen den Rückstand auf 1:8 anwachsen. In der 53. Minute war es Vihavainen, der in auf Vorlage von Kapitän Sergej Stas den zweiten halleschen Treffer des Abends erzielte. Nichtahnend, dass dies der letzte Bulls-Treffer der mit dem Hauptrundentitel in der Oberliga Nord gekrönten Spielzeit 2021/22 bleiben sollte. Den Schlusspunkt unter die letzte Bulls-Partie der laufenden Saison setzte Eisbären-Kapitän Peter Flache persönlich, der mit dem siebten Überzahltreffer auf 9:2 aus Sicht der Donaustädter erhöhen konnte.

Mit dieser in dieser Form nicht erwarteten Niederlage endete für die Saale Bulls die Spielzeit 2021/22 abrupt und deutlich. Und trotzdem kann man rückblickend stolz auf eine historische Hauptrunde und den ersten Titelgewinn seit neun Jahren blicken, verbunden mit dem eigenen Anspruch, auch im kommenden Jahr eine ähnlich dominierende Rolle in der Oberliga Nord zu spielen. (Jy)
 
Eisbären Regensburg – Saale Bulls Halle 9:2 (2:0, 4:1, 3:1)

1:0 (05:17) Schembri (Gajovsky, Divis – PP1)
2:0 (08:00) Divis (Schmid, Plihal – PP2)
3:0 (24:30) Plihal (Wagner, Schmid)
3:1 (25:36) Niemelä (Vihavainen, Schmid)
4:1 (29:54) Weber (Divis, Schmid – PP2)
5:1 (30:37) Schwamberger (Ontl, Weber – PP1)
6:1 (38:19) Plihal (Schiller)
7:1 (46:05) Gulda (Ontl, Schembri – PP2)
8:1 (46:55) Divis (Schembri, Gajovsky – PP1)
8:2 (52:05) Vihavainen (Stas – SH1)
9:2 (52:34) Flache (Ontl, Schmid – PP1)

Strafminuten: Regensburg 12, Halle 24