Wir starten zu Beginn mit einem kleinen Fazit. Denn das, was HEV-Coach Danny Albrecht vor genau einer Woche noch lobend hervorgehoben hatte: „Die Saale Bulls waren mindestens 40 Minuten schneller und körperbetonter als meine Mannschaft“, könnte man eins zu eins auf den Gegner der Saale Bulls am gestrigen Freitagabend übertragen. Mit einem kleinen aber feinen Unterschied – Leipzig war die gesamten 60 Minuten die bessere Mannschaft. Problem: Auch die Icefighters lieferten kein wirklich gutes Spiel ab, aber die bittere Erkenntnis für Headcoach Ryan Foster: „Wir waren grottenschlecht.“ Im Ergebnis dieser herben Niederlage setzte Foster für heute früh 8.00 Uhr ein zusätzliches Eistraining an, an dem allerdings zwei Bullen (Kyle Helms & Kai Schmitz) nicht teilnehmen konnten, da sie noch am Freitagabend mit Verletzungen ins Krankenhaus mussten (dazu später mehr).

Aber der Reihe nach: Die Saale Bulls empfingen gestern Abend die EXA IceFighters Leipzig zum 46. Mitteldeutschen Derby im Sparkassen-Eisdom. Es war in der langen Geschichte des Wettstreits zwischen beiden Nachbarstädten das erste Geisterspiel und machte das Derby zu etwas ganz Besonderem: Es fehlte die komplette (wichtige) Derbystimmung von den Rängen und damit das Salz in der Suppe. Die fehlende Stimmung wirkte sich allerdings stärker auf die Hausherren aus, der Funke konnte nicht überspringen und man befand sich irgendwie nicht im kämpferischen Derbymodus.

Anders die Gäste aus Sachsen, die auch den besseren Start ins Spiel fanden – vom Bullypunkt weg gingen sie sofort in den Angriff über, den ersten Schuss aufs Tor konnte Jakub Urbisch jedoch problemlos parieren. Im weiteren Verlauf ging es auf dem Eis munter hin und her, wobei das Spiel von vielen Zweikämpfen und Puckverlusten geprägt war. Dennoch agierten beide Teams im ersten Drittel noch auf Augenhöhe, wobei keiner von beiden seinen jeweiligen Überzahlvorteil nutzen konnte. Folgerichtig ging es beim Stand von 0:0 zurück in die Kabinen.

Im Mittelabschnitt setzten beide Mannschaften an gleicher Stelle und vor allem in der gleichen Spielart fort. Die Partie blieb ausgeglichen, doch es zeigte sich, dass Leipzig immer einen Schritt schneller war und auch körperlich besser arbeitete. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sie diesen kleinen Unterschied zu ihrem Vorteil nutzen konnten. Der nächste kleine aber feine Unterschied zeigte sich dann in der Chancenverwertung – Leipzig blieb hier geduldiger und wartete auf den entscheidenden Moment. Dieser ergab sich dann in der 28. Spielminute, in der Hubert Berger zur 0:1-Führung einnetzte. Bitter für die Gastgeber: nur zwei Minuten später konnte Hannes Albrecht auf 0:2 erhöhen.

Natürlich hoffte man in der Anhängerschaft der Bulls nun auf ein derbygerechtes Aufbäumen ihrer Mannschaft, schließlich war noch genug Zeit, um das Spiel zu drehen. Offenbar waren die Bulls durch die zwei schnellen Tore der Leipziger auch wachgerüttelt, doch alle nun folgenden Angriffsversuche scheiterten an Eric Hoffmann im Leipziger Tor oder an der Übermotiviertheit der eigenen Mitspieler. Auch die folgenden Überzahlspiele konnten die Bulls einmal mehr nicht zu ihrem Vorteil und den wichtigen Anschlusstreffer nutzen. Ob es die fehlenden Fangesänge waren, die die Bulls unter normalen Umständen hätten nach vorne peitschen können, bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Fakt ist, anders als Leipzig konnte Halle seine Chancen nicht in Zählbares verwandeln. Anders als die Gastgeber nutzte Leipzig auch ein eigenes Powerplay: nur zwei Minuten vor der Pausensirene gelang ihnen durch Michael Velecky der dritte Treffer der Partie.

Negativer Höhepunkt aus Sicht der Gastgeber war in diesem Drittel jedoch die unglückliche Verletzung von Kyle Helms. Nach einem Schuss eines Leipziger Spielers flog der Puck ungewollt in Richtung der Hallenser Spielerbank und traf Kyle direkt im Gesicht. Er wurde blutend vom Eis gebracht und musste – nachdem Mannschaftsarzt Henry Völpel den langen Cut am Oberkiefer genäht hatte – noch in die Zahnklinik (Abklären ob Kieferbruch und Richten der verschobenen Zähne).

So blieben den Bulls – mit einem Mann weniger – nur noch 20 Minuten, um das Spiel doch noch zu drehen und den Rückstand zumindest aufzuholen. Sie zeigten nun auch wieder deutlich mehr Kampfgeist auf dem Eis und machten Druck vor dem Tor der Sachsen, aber es fehlte ihnen weiterhin das Glück zum Treffer. So langsam zeigte sich auf dem Eis aber dann doch, dass es ein Derby war, denn die gegenseitigen Attacken wurden härter und es flogen auch schon mal die Fäuste. Für die Saale Bulls zahlte sich jeglicher Einsatz allerdings nicht aus, während die Leipziger in der 48. Minute mit dem Tor von Moritz Israel noch einmal nachlegten.

Zwar kämpften die Hausherren trotz des deutlichen Rückstandes weiter, aber die Glücksgöttin war ihnen weiterhin nicht hold. So ging der Puck auch bei erneuter Überzahl wenige Zentimeter neben dem Tor vorbei und endete mit einem metallischen Geräusch am Pfosten. Wie im Leben üblich – wenn man kein Glück hat, dann kommt auch noch Pech dazu: Nach einem hart gefahrenen, aber regelkonformen Check von Hannes Albrecht blieb Kapitän zunächst reglos an der Bande liegen und musste ebenfalls das Spiel beenden. Die späteren Untersuchungen im Krankenhaus ergaben eine schwere Gehirnerschütterung, aufgrund derer Kai wohl erstmal länger pausieren muss.

Am Ende unterliegen die Saale Bulls den Leipzigern – die ihrem Namen Icefighters wieder alle Ehre machten – mit 0:4 und müssen erkennen, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt (die sofort mit dem Training heute Morgen begann). Am Sonntag haben die Bulls spielfrei und diese Pause kommt wohl auch zum richtigen Zeitpunkt, bevor man am kommenden Freitag erneut den Herner EV im heimischen Eisdom empfängt.

 

Torschützen:
0:1 Hubert Berger – 28.
0:2 Hannes Albrecht – 30.
0:3 Michael Velecky – 38.
0:4 Moritz Israel – 48.
Tore: 0:4 (0:0/0:3/0:1)