Der Spielplan der Oberliga bleibt aufgrund des Corona bedingten späten Starts und der vielen Spielverlegungen weiterhin eng und für alle Teams anstrengend. So auch für die Saale Bulls, denn es stehen in nur fünf Tagen gleich drei Auswärtspartien auf dem Plan. Zum Start ging es gestern das zweite Mal zum Tabellenersten. Eben diese Hannover Scorpions weisen eine beeindruckende Siegesserie (18!) auf. Während die Bulls ihnen beim ersten Aufeinandertreffen wenigstens einen Punkt abringen konnten, mussten sie sich vor zwei Wochen auf heimischem Eis deutlich geschlagen geben. Doch jede Serie reißt irgendwann und die Saale Bulls starteten nicht nur deshalb hochmotiviert in diese Partie in der hus de groot EISARENA Mellendorf.

Bulls-Trainer Ryan Foster musste im Spiel auf die verletzten Tim May, Frantisek Wagner und Artur Tegkaev verzichten, umso mehr forderte er vom restlichen Team volle Konzentration über 60 Minuten. Während die Gastgeber in den ersten Minuten noch das Spiel bestimmten, kamen die Bulls – auch dank einiger Strafzeiten gegen die Scorpions immer besser ins Spiel. Leider konnten sie in ihrer Überzahl noch keine Tore erzielen, da Brett Jaeger im Tor der Scorpions alle gefährlichen Schüsse abfangen konnte. Mit voller Stärke schlugen dann aber die Hausherren zurück und nutzten eine kurze Phase der Unkonzentriertheit Halles für sich aus. Innerhalb von nicht einmal zwei Minuten versenkten Mike Glemser, Fedor Kolpaylo und Dennis Arnold gleich drei Treffer im Tor von Urbisch und zogen mit einer 3:0-Führung davon. Von diesem Schock mussten sich die Bulls erst einmal erholen und zu allem Überfluss kassierten sie auch noch zwei Strafen, welche natürlich einen Gegenschlag schwierig machten. Erst 32 Sekunden vor der ersten Pause konnte Tatu Vihavainen einen ersten Lichtblick setzen und in Überzahl den ersten Treffer für die Bulls erzielen.

Mit einem 3:1-Rückstand ging es im Mittelabschnitt weiter. Die Schiedsrichter pfiffen weiter sehr streng und das bekamen auch die Bulls zu spüren. Doch Strafen sollte man tunlichst vermeiden gegen den dominierenden Tabellenersten. Dies musste auch Halle lernen, denn in der 24. Minute nutzten die Scorpions eben eine solche Überzahl für ihren nächsten Treffer durch Mario Valery Trabucco. Doch damit nicht genug, denn vom Bully weg waren die Hausherren wieder im Angriff und nur 23 Sekunden später erhöhte Victor Knaub auf nun schon – für die Gäste von der Saale fast aussichtslose – 5:1. Doch wer die Saison aufmerksam verfolgt hat, weiß, dass die Bulls nie aufgeben, auch wenn ein Spiel eigentlich schon gelaufen zu sein scheint. Als ersten taktischen Schritt wechselte Foster die Goalies, ab sofort stand Sebastian Albrecht im Kasten. Doch als Kolpaylo nach einer Strafe aufs Eis lief, den Puck schnappte und ihn sofort hinter Albrechte versenkte, schien alle Hoffnung dahin. Doch die Bulls hatten Glück, denn dieser sechste Treffer wurde durch die Schiedsrichter aberkannt, da nach ihrer Meinung der falsche Spieler die Strafbank verlassen hatte (es gab etwas Verwirrung, da gleich drei Scorpions in der Kühlbox saßen).

Das Momentum war nun wohl auf Seiten der Bulls, die dies auch zu nutzen wussten. Sie gingen in die Offensive und konnten sich endlich auch im Drittel der Hausherren festsetzen. Was folgte, war eine unglaubliche Aufholjagd, welche mit dem Tor von Valtteri Hotakainen in der 29. Minute begann. Diesem Treffer folgten ein Tor von Michal Schön (30.) und der zweite Treffer von Tatu Vihavainen (34.). Mit dem Stand von 5:4 sah es damit gar nicht mehr so schlecht aus und führte wohl bei den Hausherren zu einigem Frust, denn sie kassierten nun vermehrt Strafen, was ihren eigenen Spielfluss immer wieder unterbrach.

In der Pause erfolgte dann auch bei den Scorpions ein Torhüterwechsel, die drei schnellen Tore der Bulls lagen offenbar auch ihnen schwer im Magen. Doch die erhoffte Spielberuhigung brachte dieser Schachzug nicht, denn Halle hatte Blut geleckt und glaubte an die Möglichkeit des Ausgleichs oder gar eines Sieges. Sie waren weiter in der Offensive und konnten dank harter Arbeit in der 45. Minute mit dem Tor von Sergei Stas endlich ausgleichen. So blieb es spannend, denn noch waren 15 Minuten zu spielen und da kann im Eishockey bekanntlich viel passieren. Während die Scorpione weiter mit dem Spielverlauf haderten, blieben die Bulls fokussiert und lauerten auf ihre Chance für die eigene Führung. Diese kam nach einer erneuten Strafzeit gegen die Scorpions aufgrund eines Checks gegen Kopf und Nackenbereich. Im folgenden Überzahlspiel war es erneut Valtteri Hotakainen, welcher die Bulls nun auf die Siegerstraße brachte und ihnen mit seinem Tor in der 49. Minute erstmals in der Partie die Führung sicherte. Doch diese musste nun über die Zeit gebracht werden. Das gelang bei vollem Körpereinsatz zunächst auch sehr gut, aber zwei Minuten vor dem Ende wurde es noch einmal richtig eng. Nach einem Foul (Hoher Stock) musste ausgerechnet Kapitän Kai Schmitz auf die Strafbank, so dass die Bulls nun in Unterzahl die restlichen Minuten der regulären Spielzeit bestreiten mussten.

Um die Gäste noch mehr unter Druck zu setzen, nahmen die Scorpions auch noch Preuß aus dem Tor und schickten einen sechsten Feldspieler aufs Eis. Doch wenn es läuft, dann läuft es, denn bezeichnenderweise konnten die Bulls nach dieser unglaublichen Kraftanstrengung und Aufholjagd nicht nur die Führung halten, Valtteri Hotakainen traf durch einen gezielten Schuss auch noch in das verwaiste Tor der Gastgeber. Dieses Empty net Goal war dann auch der Schlusspunkt zum grandiosen 7:5-Auswärtssieg der Saale Bulls. Die Saale Bulls haben das schon verloren geglaubte Spiel komplett gedreht und nehmen somit auch mehr als verdient die drei Punkte mit an die Saale.

Mit diesem Sieg rücken sie auch in der Tabelle wieder einen Platz nach oben, denn sowohl der Herner EV als auch ihre Gegner vom morgigen Sonntag – die EXA IceFighters Leipzig – mussten sich gestern auswärts geschlagen geben. Diese neue Herausforderung – das Sonntagsspiel gegen Leipzig – beginnt um 17.00 Uhr im Kohlrabizirkus. Und mit dem guten Gefühl aus dem gestrigen Spiel wollen die Bulls natürlich auch aus dem zweiten mitteldeutschen Derby Punkte mit nach Hause bringen, schließlich hat man noch eine Rechnung vom ersten Derby in dieser Saison zu begleichen.

 

Torschützen: 

1:0 Mike Glemser – 10.
2:0 Fedor Kolpaylo – 10.
3:0 Dennis Arnold – 12.
3:1 Tatu Vihavainen – 20.
4:1 Mario Valery Trabucco – 24.
5:1 Victor Knaub – 24.
5:2 Valtteri Hotakainen – 29.
5:3 Michal Schön – 30.
5:4 Tatu Vihavainen – 34.
5:5 Sergei Stas – 45.
5:6 Valtteri Hotakainen – 49.
5:7 Valtteri Hotakainen – 60.

Tore: 5:7 (3:1/2:3/0:3)