Von Fabian Wölfling

Halle (Saale) – Was macht ein Eishockeyspieler, wenn er sein sportliches Ziel schon mit Anfang 20 erreicht hat: Schmeißt er die Schlittschuhe in die Ecke? Oder sucht er sich einen neuen Antrieb? Valtteri Hotakainen, heute Leistungsträger der Saale Bulls in der Oberliga, musste diese Frage tatsächlich für sich beantworten.

Wie fast alle Jungs in Finnland hatte er schon als Kind mit dem Nationalsport angefangen, auch Begabung gezeigt. Mit 16 Jahren spielte er bereits für das Team seiner Heimatstadt Kokkola in der dritten Liga.

„Ich war aber trotzdem kein großes Talent, stand nie in Auswahlmannschaften“, erzählt er. Als er als 18-Jähriger zum Verein JYP Jyväskylä ging, der über Teams in der ersten und der zweiten finnischen Liga verfügt, hatte er daher ein bescheidenes Ziel. „Ich habe mir gesagt, wenn ich es einmal schaffe, in der zweiten Liga aufzulaufen, war meine Karriere erfolgreich.“

Valtteri Hotakainen: Fleißiger Arbeiter erfüllt sich seine Träume

Was ihm dann erstaunlich schnell gelang. Von der vierten Reihe im Juniorenteam arbeitete er sich mit kontinuierlich steigenden Leistungen in die Top-Reihe vor und empfahl sich so eben schon als 20-Jähriger für Einsätze in der zweiten Liga. Und dann: Aufhören oder neue Ziele?

Valtteri Hotakainen beantwortete die Frage für sich so: „Ich wollte es dann in die erste Liga schaffen.“ Wieder brachte ihn sein Arbeitseifer ans Ziel. Ab der Saison 2014/15 spielte er in der höchsten Liga Finnland, war mit JYP sogar in der Champions League aktiv.

Diese Erfahrung, wie weit man es als Sportler mit der richtigen Einstellung und harter Arbeit bringen kann, will Hotakainen nun den jungen Profis bei den Saale Bulls in Halle vermitteln.

Valtteri Hotakainen bei den Saale Bulls: „Mich hat es gereizt, in Deutschland zu spielen“

Mit 30 Jahren hat er sich in diesem Sommer noch einmal für ein großes Abenteuer entschieden. Mit Frau Niina und der kleinen Tochter Peppi ging es raus aus Finnland. „Mich hat es gereizt, in Deutschland zu spielen“, erzählt Hotakainen. „Außerdem wollte ich eine Rolle mit mehr Verantwortung auf dem Eis.“

In Finnland war er zuletzt Vierte-Reihe-Stürmer mit klar definierter Rolle: Für zehn Minuten pro Spiel vollen Einsatz zeigen, dabei vor allem das eigene Tor beschützen. Als Importspieler in der Oberliga sind aber andere Qualitäten gefragt. Womit Hotakainen trotz der Sehnsucht nach mehr Verantwortung zu Beginn Probleme hatte.

„Hier stehe ich oft mehr als 25 Minuten auf dem Eis“, sagt er. „Ich musste erstmal lernen, wie ich mir meine Energie im Spiel einteile.“ Dazu musste er sein Naturell als Spieler zumindest ein Stück weit abzulegen. „Ich bin eigentlich ein Teamspieler“, sagt Hotakainen.

Saale Bulls: Trainer Ryan Foster ist mit Valtteri Hotakainen zufrieden

Von einem Importspieler werden in der Oberliga aber Tore und Vorlagen erwartet. Mit sechs Treffern und sechs Assists in 14 Spielen ist Hotakainens Bilanz wenig auffällig. „Ich muss in manchen Situationen egoistischer sein, mehr den eigenen Abschluss suchen“, sagt er. „In den letzten Spielen ist mir das auch immer besser gelungen.“

Bulls-Trainer Ryan-Foster ist aber auch so zufrieden, lobt die „Top-Einstellung“ des Finnen. „Mit ihm bekommen wir auch kaum ein Gegentor“, sagt der Coach. Was die Plus-Minus-Statistik beweist. Die zeigt an, wie das Torverhältnis aussieht, wenn ein bestimmter Spieler auf dem Eis steht. Hotakainen hat mit +9 den besten Wert der Bulls.

Der Zugang ist mit dem sportlichen Geschehen auf dem Eis bisher auch zufrieden. „Aber die Corona-Situation ist sehr bitter. Ich wollte mit meiner Familie Halle und Deutschland erkunden, das geht nicht“, sagt Hotakainen. „Dazu wollte ich die deutsche Fankultur kennenlernen.“ Auch wenn der Finne seine Sauna vermisst, könnte es also gut sein, dass das Deutschland-Abenteuer verlängert wird. (mz, 08.01.2021)