Von Fabian Wölfling

Halle (Saale) – Auf den Abschied hatte sich Dave Rich schon eingestellt. Dass er nun aber mitten in der Saison, kurz vor den Playoffs passierte, hat den Eishockey-Trainer aber doch überrascht. „Ich hatte vor einigen Wochen ein Gespräch mit Daniel Mischner, wollte wissen, wie es nächste Saison weitergeht“, erzählt der 49-Jährige. Als Mischner, Präsident der Saale Bulls, eine konkrete Antwort schuldig blieb, ahnte Rich, dass seine Zeit beim halleschen Oberligisten zu Ende geht.

Nun ist sie bereits vorbei. Vorzeitig. Am Samstag, einen Tag nach der 4:7-Heimniederlage gegen die Hannover Indians, haben die Saale Bulls ihren Trainer beurlaubt. „Damit habe ich nicht gerechnet. Wir waren eigentlich gut unterwegs“, sagt Rich.

Pleiten gegen Spitzenteams

Für den Verein aber nicht gut genug. Zwar stehen die Bulls, nach Problemen zu Saisonbeginn, mit Abstand nach unten unter den ersten sechs Mannschaften der Oberliga Nord und damit praktisch sicher in den Playoffs. „Wir haben aber keine Entwicklung gesehen“, begründet Präsident Mischner die vorzeitige Trennung. „Wir wollen nichts unversucht lassen, um noch das Maximale aus der Saison rauszuholen. Daher jetzt der Versuch, noch einmal einen Impuls zu setzen.“

Der Deutsch-Kanadier kann aber auch Erfolge vorweisen: Seit 2017 war Rich Trainer der Saale Bulls, führte die Mannschaft in der vergangenen Saison durch eine überragende Meisterrunde auf Platz zwei nach der regulären Saison. Dazu lotste er Nathan Burns, den komplettesten Spieler im Kader der Saale Bulls, nach Halle.

Mit seinem plötzlichen Aus versucht Rich betont gelassen umzugehen. „So ist es als Trainer: You’re hired till you’re fired“, sagt er. Sinngemäß also: Als Trainer muss man ab der Einstellung immer mit der Entlassung rechnen.

Aber trotzdem ist da auch Frust. „Ich bin von einigen Spielern enttäuscht. Sie bekommen gutes Geld, bringen aber ihre Leistung nicht und beschweren sich dann über zu wenig Eiszeit“, sagt er ohne Namen nennen zu wollen. „Zudem hätte ich gerne mehr in der Hand gehabt, welche Spieler kommen.“ Teilweise seien Verpflichtungen nicht mit ihm abgestimmt gewesen.

Die plötzliche freie Zeit will Rich nun nutzen, um Energie zu tanken. „Ich werde erstmal meine Tochter in Düsseldorf besuchen und dann sehe ich weiter.“ Trainer im Eishockey-Business will er aber definitiv bleiben.

Foster als Übergangslösung

Richs Nachfolge in Halle ist derweil schon geregelt. Beim 7:2 bei den Black Dragons Erfurt am Sonntag war Assistent Stephan Klingner verantwortlich. Ab Montag übernimmt dann der Österreich-Kanadier Ryan Foster bis Saisonende das Team. Der 44-Jährige war bisher Coach der österreichischen U-18-Nationalmannschaft. „Er will sich in Deutschland beweisen“, sagt Mischner. „Wir hatten gute Gespräche, aber sein Vertrag gilt nur bis zum Saisonende. Darüber hinaus ist er kein Thema.“ Foster ist also eine Übergangslösung. (mz, 11.02.2019)