Von Christoph Lesk

Halle (Saale) – Die Reaktion von Daniel Mischner, dem Präsidenten der Saale Bulls, folgte prompt – in Form eines Anrufs bei seinem Amtskollegen der Black Dragons Erfurt. Dabei machte Mischner seinem Ärger Luft. Was den Klubchef so reagieren ließ: Erfurt, der Ligakonkurrent der Bulls in der Eishockey-Oberliga, hatte am Donnerstag den Wechsel von Tyler Mosienko aus Halle in die thüringische Landeshauptstadt verkündet.

Jedoch ohne Rücksprache mit den Bullen – was Mischner sauer aufstieß. „Ich hatte den Wechsel auch erst am Donnerstag mitbekommen. Es gibt die Abmachung, dass der Verein, den der Spieler verlässt, den Wechsel bekanntgibt“, erklärt der 43-Jährige. Und damit hätten die Saale Bulls den Vorrang gehabt. Die Erfurter entschuldigten sich zwar für ihr Vorgehen. Für die Beziehung zwischen den Klubs dürfte dieser Vorfall jedoch nicht förderlich sein.

Tyler Mosienko sollte Co-Trainer bei den Saale Bulls werden

Die Personalie Mosienko birgt aber nicht nur wegen des Alleingangs seines neuen Arbeitgebers Brisanz: Der 36-jährige Kanadier war beim Tabellensiebten der – vor den Playoffs abgebrochenen – Saison ursprünglich für die kommende Spielzeit eingeplant, sollte als Co-Trainer Chefcoach Ryan Foster zur Seite stehen. „Wir waren uns Ende März einig, hatten aber noch nichts schriftlich vereinbart“, erklärt Mischner. Eine Aufsetzung des Vertrags sollte später folgen.

Doch daraus wurde nichts, die Corona-Krise kam dazwischen. Mosienko verließ Deutschland schnellstmöglich Richtung Heimat, bevor alle Ländergrenzen als Maßnahme gegen eine weitere Verbreitung des Virus geschlossen wurden. Wegen der finanziellen Schäden durch den Saisonabbruch können sich die Bulls die Verpflichtung des Offensivspielers als Trainer-Assistent inzwischen auch nicht mehr leisten. Ein Co-Trainer ist nicht mehr eingeplant.

Tyler Mosienko wechselt nach Erfurt – wer sagt nicht die Wahrheit?

Doch Mosienko – so scheint es – hatte parallel ohnehin mit den Erfurtern verhandelt. Denn der Klub teilte mit, die Verpflichtung sei bereits „vor dem Lockdown in trockenen Tüchern“ gewesen. Der Lockdown war eine Vereinbarung der Klubs der Oberliga Nord Ende März, in der versichert wurde, im April keine Verhandlungen und Gespräche mit Spielern zu führen.

Diese Variante der Geschichte widerspricht jedoch völlig der Version der Saale Bulls. „Ein paar Beteiligte sind vielleicht nicht so transparent in ihren Aussagen“, sagt Mischner deshalb. (mz, 08.05.2020)