Von Christoph Karpe

Halle (Saale) – Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Ab jetzt nehmen die Saale Bulls das Geschehen bei ihren Spielen in der Eishockey-Oberliga wieder selbst in die Hand. Das ist die gravierendste Änderung in den letzten 14 Tagen – seit Ryan Foster als Interimstrainer die Geschicke vom beurlaubten Coach Dave Rich übernommen hat.

Die Spieler jedenfalls finden den Systemwechsel prima. „Wir gehen jetzt früher auf die Gegenspieler drauf, attackieren auf dem ganzen Feld, spielen praktisch 60 Minuten lang Pressing“, sagt Abwehrrecke Jan-Niklas Pietsch.

„Wir haben mehr Tempo und deutlich mehr Aggressivität“

Unter Rich sah das noch anders aus. „Da haben wir mehr reagiert, abgewartet, was der Gegner tut.“ Jetzt heißt es Attacke: „Wir haben mehr Tempo und deutlich mehr Aggressivität. Das fühlt sich irgendwie besser an“, sagt Pietsch. Aus seiner Sicht hat sich der Trainerwechsel damit schon ausgezahlt: „Man wollte einen Impuls setzen, dieser Anspruch hat sich erfüllt“, so der 28-Jährige.

Mit diesem neuen Offensivgeist sind auch die Hoffnungen gestiegen, dass die Mannschaft in der Meisterrunde den aktuellen vierten Tabellenplatz in der Nordstaffel der Oberliga behaupten kann. Der ist wertvoll, weil er in den Playoffs, die am 15. März beginnen, ein Heimspiel mehr als für den Gegner bedeutet. Doch die Konkurrenz sitzt den Hallensern nach wie vor im Nacken. Herne, der Fünfte, liegt nur drei Zähler zurück und würde die Saale Bulls gern noch abfangen.

Saale Bulls doppelt gegen Tilburg Trappers gefordert

Damit dies nicht passiert, soll an diesem Mittwoch (19 Uhr) ein Husarenstück her. Die Saale Bulls empfangen im heimischen Eisdom die Tilburg Trappers. Es ist der weit enteilte niederländische Spitzenreiter, auf den man dann am Freitag auch noch einmal auswärts trifft. Dann mit weitaus geringeren Erfolgsaussichten. Heißt also: Dieses Duell wird entscheidend.

Bei einem Sieg könnten sich die Saale Bulls in der Zweitauflage womöglich eine Niederlage leisten. Jan-Niklas Pietsch beurteilt die Situation so: „Wenn wir am Mittwoch gegen Tilburg gewinnen, können wir ruhiger schlafen. Aber zunächst müssen wir 60 Minuten lang hoch konzentriert sein.“

Jan-Niklas Pietsch ist defensiv und offensiv eine Bank

Dass die Gäste nicht unbezwingbar sind, das wissen die Saale Bulls: „Meist waren es enge Duelle“, sagt Pietsch und erinnert an das Hinspiel: „Wir haben im Dezember erst im Penaltyschießen verloren.“ 4:5 nämlich.

Dass die Saale Bulls trotz aller Verletzungsprobleme und einem holprigen Start jetzt die Chance haben, in der Meisterrunde unter den Top Vier einzukommen, hat auch mit Jan-Niklas Pietsch zu tun. Der Mann ist nicht nur in der Abwehr eine Bank, sondern in dieser Saison auch offensiv besser denn je.

Zehn Tore hat er selbst geschossen. Und, was fast noch wichtiger ist, 26 Vorlagen für Treffer gegeben. Macht 36 Scorerpunkte. Im Vorjahr stand er zum Saisonschluss bei 28 direkten Torbeteiligungen, davor, als er in Herne spielte, bei 30.

Saale Bulls: Viertelfinale der Playoffs ist Minimalziel

Und weil er eine Stütze des Teams ist, wurde mit ihm auch bereits über die Möglichkeit einer Vertragsverlängerung gesprochen. Ins Detail möchte Pietsch aber nicht gehen: „Da bin ich der falsche Ansprechpartner.“

Pietsch zwingt sich, dieses Thema gedanklich zurückzustellen. Er möchte sich auch noch nicht mit einem möglichen Gegner im Playoff-Achtelfinale beschäftigen. „Im Moment könnten wir auf Memmingen oder Selb treffen. Aber spezielle Gedanken machen wir uns über den Gegner erst nach den letzten drei Spielen“, sagt er. Finaler Gegner am 3. März sind die Harzer Falken.

Bis dahin gilt das neue Prinzip: volle Attacke. Und darüber hinaus natürlich auch. Minimalziel der Saale Bulls ist das Viertelfinale im Aufstiegskampf. (mz, 27.02.2019)