Von Christoph Lesk

Halle (Saale)/Leipzig – Um zu verstehen, wie ernst die Lage bei den Saale Bulls und anderen Vereinen der Eishockey-Oberliga nach dem Abbruch der Saison ist, genügt ein Blick wenige Tage zurück. André Krüll, Geschäftsführer der Icefighters aus Leipzig, der große Rivale der halleschen Bullen, kam auf Saale Bulls-Präsident Daniel Mischner zu.

Er hatte eine Idee. Beide Verein könnten in Zeiten der Ausbreitung des Coronavirus das Kriegsbeil zumindest kurzzeitig begraben, ihre Rivalität aber dennoch nutzen, um an frisches, dringend benötigtes Geld zu kommen.

Und so soll es funktionieren: Am Ostermontag soll ein virtuelles Derby zwischen Halle und Leipzig ausgetragen werden. Dafür werden bei den Saale Bulls ab sofort virtuelle Tickets für ein virtuelles Freiluftstadion zum Preis von sechs Euro verkauft.

Virtuelles Eishockey-Derby Halle gegen Leipzig: Ticket-Vorverkauf läuft

„Wir sind nicht unbedingt dicke Kumpel, können uns nicht wirklich leiden“, sagt Mischner über den Leipziger Krüll, stellt das Wohl seines Vereins jedoch über das eigene Ego: „Aber die Idee ist gut, in dieser Situation gemeinsam etwas zu tun.“

Im Moment wird das Stadion programmiert und letztlich über eine Kapazität von 30.000 Zuschauern verfügen. Jeder Klub bekommt 50 Prozent davon zur Verfügung gestellt. Die Tickets können bis zum 13. April, um 15 Uhr, gekauft werden. Sollten die Saale Bulls alle Tickets verkaufen können, würden die Einnahmen von 75.000 Euro den vom Verein errechneten Verlust aufgrund des Saisonabbruchs von mindestens 60.000 Euro auffangen.

Mischner und Krüll haben zudem eine Wette laufen. Der Präsident/Geschäftsführer des Klubs, der weniger Tickets verkauft hat, muss das nächste Derby im gegnerischen Fanblock verfolgen. „Das wäre für mich eine Vollkatastrophe“, sagt Mischner. „Aber so weit wird es nicht kommen.“ Er ist überzeugt, dass die Fans der Saale Bulls mehr Tickets kaufen als die Anhänger der Leipziger.

Ausgetragen wird das Spiel mit einem Eishockey-Spiel auf der Konsole. Per Live-Stream können die Inhaber eines Tickets das Spielfeld sowie die Profis des jeweiligen Teams sehen. „Es werden auch Mikros bei den Spielern sein, damit die Zuschauer auch hören, wie die Jungs während des Spiels auch mal auf eine etwas andere Art und Weise miteinander reden“, erklärt Mischner. Gemeint ist damit der übliche raue Umgang unter den Spielern auf dem Eis. Es geht um den Trashtalk unter Sportlern.

Maskottchen-Wette zwischen Mischner und Krüll

Und da Mischner eine Wette für zusätzlichen Nervenkitzel nicht reicht, begibt er sich weiter in Gefahr: „Beide Teams wollen einen Sponsor für dieses Spiel finden. Wer am Ende die niedrigere Summe aufbringen kann, muss als Maskottchen des anderen Klubs beim nächsten Derby im Eisdom oder dem Leipziger Kohlrabizirkus vorher aufs Eis und die gegnerischen Heimfans begrüßen.“

Sollte die Aktion erfolgreich sein, soll in der übernächsten Saison ein echtes Wintergame unter freiem Himmel auf einer Freifläche ausgetragen werden. (mz, 26.03.2020)