Von Fabian Wölfling

Halle (Saale) –Dem Mann bleibt wenig Zeit. Am Montagmittag sitzt Ryan Foster deshalb bereits seit Stunden in dem kleinen Trainerbüro, das in einem Baucontainer vor dem Sparkassen Eisdom beheimatet ist. Vor ihm ein Laptop, daneben ein Notizblock.

Für Foster ist es der erste Tag als Trainer der Saale Bulls. Er hat viel Arbeit vor sich. „Ich bin gerade dabei, den Trainingsplan für die Woche zu gestalten“, erzählt der 44-jährige Österreich-Kanadier. Auf Deutsch, mit deutlichen englischen und Kärntner Einflüssen.

Am Samstag hatten die Saale Bulls den bisherigen Trainer Dave Rich überraschend beurlaubt und zugleich Foster als neuen Coach bis Saisonende bekanntgegeben. Der war zu diesem Zeitpunkt noch als Trainer der österreichischen U-18-Nationalmannschaft in Norwegen.

„Am Sonntagabend bin ich erst in Halle angekommen, hatte dann gleich ein Gespräch mit Kapitän Kai Schmitz, heute habe ich dann kurz mit Tyler Mosienko geredet. Ich habe den Eindruck, dass sie alle sehr motiviert sind.“

Trainer Foster hat nur wenig Zeit für ein erstes Bild

So wie Foster selbst. „Für mich ist das hier eine gute Situation“, sagt er, obwohl nur mit einem Vertrag bis Saisonende ausgestattet. „Ich war noch nie in Deutschland, weder als Spieler noch als Trainer. Das ist eine gute Chance, um mir einen Namen zu machen.“

Dafür hat er seine Frau und die beiden Kinder in Ebenthal, in der Nähe von Klagenfurt für den Moment zurückgelassen. In Österreich war der gebürtige Kanadier in den Nuller-Jahren ein erfolgreicher Torjäger, erhielt 2005 die Staatsbürgerschaft. Nach der aktiven Karriere war Foster Trainer in Klagenfurt.

In Rekordzeit muss sich Foster nun ein Bild der neuen Situation machen. „Ich kenne keinen Spieler und auch die Liga nur wenig“, sagt er. „Das finde ich aber gut. So kann sich jeder Spieler neu beweisen, jeder hat jetzt erstmal ein neues weißes Blatt.“

Saale Bulls nur mit drei Trainingstagen bis zum ersten Spiel

Drei Trainingstage bleiben Foster bis zum wegweisenden Heimspiel am Freitag gegen Herne, den direkten Konkurrenten um Platz vier nach der Hauptrunde. Am Sonntag wartet dann das vierte Derby der Saison bei den Icefighters Leipzig.

Vom Trainerwechsel erhoffen sich die Bulls einen Impuls für den Rest der Oberliga-Saison. Foster muss den praktisch sofort heraufbeschwören. „Ich denke, dass das möglich ist“, sagt er aber voller Überzeugung. „Ich kann einige Prozente rauskratzen, die zuletzt gefehlt haben und die Mannschaft da hinbringen, wo sie hingehört.“ Das, so die Zielstellung von Präsident Daniel Mischner vor der Saison, ist mindestens das Playoff-Viertelfinale.

Löst Ryan Foster die starke erste Reihe der Saale Bulls auf?

Bis zum Spiel am Freitag will Foster nun jede verfügbare Minute auf dem Eis nutzen. Von Dienstag an hat er täglich neunzigminütige Einheiten angesetzt. „Morgen fangen wir mit Fünf-gegen-Fünf an. Das wird knackig. Ich will sehen, wie der Kampfgeist der Mannschaft ist, wie sie marschieren, das ist mir sehr wichtig.“

Ab Mittwoch will Foster dann neue Elemente ins Spiel einzubringen. „Ich spiele gerne Pressing über das ganze Eis, mit harten Zweikämpfen“, sagt er. Dazu will er auch das Aufbauspiel und das Powerplay-Spiel verfeinern.

Neben spielerischen und taktischen Veränderungen wird Foster wohl auch personell umstellen. „Ich muss mir zuerst das Training anschauen“, sagte er zwar. „Aber ich habe gerne ausgeglichene Linien.“ Wahrscheinlich also, dass Foster die Starangreifer Mosienko, Chris Francis und Nathan Burns nicht mehr in einer Reihe auflaufen lässt, um so die anderen Spieler wieder besser in Form zu bringen. (mz, 12.02.2019)