Von Christoph Koch

Halle (Saale) – In dieser zehnten Spielminute, als der Puck im Netz gelandet war, war Sergej Stas mit den Gedanken ganz woanders. Den Führungstreffer beim 5:1 gegen Diez-Limburg in der Eishockey-Oberliga am vergangenen Sonntag widmete der Stürmer der Saale Bulls seinem Opa.

„Ich hatte wenige Stunden vor dem Spiel die Nachricht bekommen, dass er plötzlich verstorben ist“, sagt der 29-jährige Stürmer. Unter Tränen sei er zum Eisdom gelaufen, nach Rücksprache mit der Familie und Trainer Ryan Foster stand jedoch der Entschluss: Stas wird spielen.

Saale Bulls: Sergej Stas spielt kurz nach Todesfall in der Familie

„Ich wusste, dass es sich mein Opa so gewünscht hätte“, erklärt der gebürtige Weißrusse diesen Schritt. „Ich habe für ihn gespielt, er war der größte Fan, hat alles von mir gesammelt.“

Und so war es wohl eine Fügung, dass Stas erstmals in dieser Saison gleich doppelt traf, nämlich nach 53 Minuten noch das 4:1 erzielte. „Ich war selber überrascht, denn zuvor hatte es bei mir im Abschluss etwas geklemmt“, so der Linkshänder zu seinen Saisontoren drei und vier. „Ich wusste, dass mein Opa von oben zuschaut, habe die beiden Scheiben auch mit nach Hause genommen.“

Diese sollen so schnell wie möglich den Weg zum Opa finden. „Ich kann durch die Pandemie nicht zu Beerdigung nach Weißrussland, wir haben uns auch seit März nicht mehr gesehen, das beschäftigt mich“, gibt der Profi Einblick in sein Gefühlsleben. „Wenn es wieder geht, werde ich die zwei Pucks zu ihm bringen – auf sein Grab legen.“

Sergej Stas: Sohn Makar wurde im November geboren

Durch diesen Trauerfall hat Stas binnen zwei Monaten nun zwei Extreme erlebt, nachdem Anfang November sein Sohn Makar auf die Welt gekommen war. „Es ist eine komische Situation“, sagt der dreimalige Nationalspieler, der seit 2019 in Halle spielt, zu der Achterbahn der Emotionen in den jüngsten Wochen.

Immerhin gibt das Training die Möglichkeit, sich in der Phase der Trauer etwas abzulenken. „Ich versuche es“, sagt der Profi. Am Freitag (20 Uhr) steht in der Oberliga schon das nächste Spiel an – es geht zum Tabellendritten Herne. Das Team aus dem Ruhrgebiet hatte die ersten beiden Begegnungen für sich entschieden. „Aber wir hatten zuletzt ein erfolgreiches Wochenende und haben neues Selbstvertrauen. Wir sind hungrig“, ist Stas optimistisch, dass die Saale Bulls die Statistik aufbessern können.

Sergej Stas sieht Verbesserungen in der Saale-Bulls-Offensive

Auch wegen spielerischer Fortschritte: Das Team sei läuferisch besser, „wir schießen auch wieder Tore“, sagt Stas. Zuletzt gelangen auch Treffer im Powerplay, den Phasen in Überzahl. Dinge, die zuvor immer wieder für Niederlagen gesorgt hatten, was Trainer Foster öffentlich wiederholt angemahnt hatte.

Hoffnung macht auch die Rückkehr vom Finnland-Angreifer Valtteri Hotakainen, der jüngst noch mit Leistenproblemen gefehlt hatte. Lediglich der zweite Finne, Tatu Vihavainen (Knöchel-OP), wird fehlen. (mz, 18.12.2020)