Von Fabian Wölfling

Halle (Saale) – Die Paradereihe der Hamburg Crocodiles bestimmte diesmal die Vorbereitung der Saale Bulls. Beim Videostudium vor der Partie der Eishockey-Oberliga lag der Fokus komplett auf Dominik Lascheit, Thomas Zuravlev und Patrick Saggau, die zusammengenommen schon mehr als 100 Punkte in der laufenden Saison produziert hatten. „Das ist die beste Scorerlinie der Liga“, erklärte Ryan Foster, Trainer der Bulls. „Es war wichtig, dass wir die Reihe ausschalten.“

Vihavainen glänzt gegen Hamburg

Was nach dieser fokussierten Vorbereitung beim 5:2-Heimsieg auch sehr gut gelang. Zwar glänzte am Sonntagabend im Sparkassen Eisdom ein Trio. Es trug aber Trikots der Saale Bulls. Sämtliche Treffer der Gastgeber gingen auf das Konto der Reihe Lukas Valasek (zwei Tore), Kyle Helms (ebenfalls zwei Tore) und Tatu Vihavainen (ein Tor).

„Wir sind ja dafür da, Tore zu machen. Heute hatten wir eine gute Chemie und haben unsere Chancen genutzt“, sagte Vihavainen. „Ich bin froh, dass das so gut geklappt hat.“

Gerade für den finnischen Importangreifer war dieser Galaauftritt gegen den Tabellenzweiten Hamburg ein wichtiger Befreiungsschlag. Bisher durchlebte der 25-Jährige nämlich eine durchwachsene erste Saison fern der finnischen Heimat.

Vihavainen auf den Spuren von Chris Francis

Während die Bulls Landsmann Valtteri Hotakainen als Dirigenten und vorbildlichen Arbeiter nach Halle geholt hatten, sollte der technisch und läuferisch beschlagene Vihavainen vor allem die Anforderungen erfüllen, die üblicherweise an ausländische Spieler in der Oberliga gestellt werden.

Da nur zwei Importspieler pro Team erlaubt sind, sollen sie Unterschiedsspieler sein, viele Tore und Vorlagen produzieren. So wie es in der Vergangenheit etwa dem US-Amerikaner Chris Francis in seiner ersten Saison für die Saale Bulls außerordentlich gut gelungen war.

Vihavainen, der in den vergangenen drei Jahren in der finnischen zweiten Liga mit insgesamt 96 Torbeteiligungen seine Klasse gezeigt hatte, kämpfte in Halle aber mit Anpassungsschwierigkeiten. „Am Anfang war es schwer für mich“, gestand der hochgewachsene Angreifer. „Ich musste erst das System verstehen.“

Verleztungsbedingte Pause für Vihavainen

Dieser Prozess war noch nicht abgeschlossen, da musste Vihavainen auch noch unters Messer. „Ich habe mir früh in der Saison einen Cut am Knöchel zugezogen“, erzählte er. „Ich war zwei Wochen raus, dann ging es eigentlich gut.“ Bis zu einem Spiel in Erfurt Ende November.

Zwar erzielte Vihavainen noch den 1:0-Siegtreffer, „als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, war der Knöchel aber feuerrot und dick angeschwollen“. Es folgten eine Operation und vier Wochen Ausfallzeit. „Ich bin den Bulls dankbar, dass sie mich trotz der Verletzung behalten haben.“

Trainer Foster lobt Vihavainen

Eine Entscheidung, die sich langsam auszahlt. Gegen Hamburg zeigte Vihavainen sein mit Abstand bestes Spiel im Trikot der Eisbullen, war an allen Toren als Vorarbeiter oder Schütze direkt beteiligt. Brillant, wie er das 1:0 von Lukas Valasek mit viel Geduld und Übersicht maßgenau auflegte. Gedankenschnell, wie er zum erlösenden Endstand aus spitzem Winkel einschoss.

Zuvor waren die Bulls nach lange souveräner Vorstellung und zwischenzeitlicher 4:0-Führung kurzzeitig ins Wanken geraten. „Tatu hat sich in den vergangenen Wochen sehr positiv entwickelt“, lobte Trainer Foster nach dem Spiel. „Nicht nur wegen der Torbeteiligungen. Inzwischen arbeitet er auch besser nach hinten.“

Saale Bulls vor Duell gegen Hamm

Insgesamt war der Coach mit dem Auftritt gegen Hamburg sehr zufrieden. „Wir haben schlau gespielt, vor dem eigenen Tor nicht viel zugelassen“, sagte Foster. „Was uns aber fehlt, ist die Konstanz. Wir spielen mal gut, mal schlecht.“ Am Freitag hatten die Bulls beim Aufsteiger Herford überraschend 1:2 verloren.

Schon an diesem Dienstag (20 Uhr) kommt mit dem Letzten Hamm ein weiterer scheinbar leichter Gegner nach Halle. „Diesmal müssen wir im Kopf klarer sein“, forderte Foster. (mz, 19.01.2021)