Von Fabian Wölfling

Halle (Saale) – Den Montagmittag widmete Ryan Foster seiner zweiten Liebe. Während seine beiden Kinder im Hintergrund gut hörbar spielten, stand der Österreich-Kanadier in der Küche seines Heims in Ebenthal bei Klagenfurt. „Ich koche sehr gern, probiere oft neue Sachen aus“, erzählte Foster am Telefon. „Gerade mache ich einen kalten Nudelsalat mit getrockneten Tomaten und Schinken zum Mittagessen.“

Für den 44-Jährigen war es die erste Möglichkeit durchzuschnaufen, wieder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Nach zwei intensiven Monaten als Interimstrainer der Saale Bulls. Im Februar ersetzte der hallesche Eishockey-Oberligist Dave Rich durch Foster.

Saison der Saale Bulls und damit auch Fosters Zeit in Halle beendet

Die Hoffnung: Der bisher hauptsächlich als Nachwuchstrainer in Österreich aktive Ex-Angreifer sollte der damals recht leblos dahinspielenden Mannschaft im Saisonendspurt neuen Schwung verleihen.

Am Freitagabend endete dieses Vorhaben. Mit einer Enttäuschung. Durch ein spätes Tor zum 3:4 entschied der EV Landshut Spiel vier und damit auch die Viertelfinal-Serie für sich, beendete die Saison der Saale Bulls und damit auch Fosters Zeit in Halle. Was den Coach schwer traf.

Foster brauchte nach der Schlusssirene ein paar Minuten für sich allein in der Kabine, war auch später bei der Verabschiedung von den Fans auf dem Eis noch sichtbar angegriffen. „Ich bin ein emotionaler Typ, dazu sehr ehrgeizig“, sagte er mit Abstand am Montag. „Auf diese Weise das Spiel zu verlieren, obwohl wir die bessere Mannschaft waren, war ein Stich ins Herz.“

Aber auch ohne den Halbfinal-Einzug, es wäre der erste seit 2012 gewesen, hat der Interimscoach einen bleibenden Eindruck in Halle hinterlassen. Foster gelang es, mit seinem Ehrgeiz die Spieler anzustecken. Er verordnete dem Team eine offensivere, aggressivere Spielweise.

Präsident Daniel Mischner: „Ryan hat den Impuls gebracht, den wir uns erhofft hatten“

Das brachte die größten Siege der lange Zeit durchwachsenen Saison. „Ryan hat den Impuls gebracht, den wir uns erhofft hatten. Er hat uns weitergebracht, als ich es zwischenzeitlich angenommen hatte“, lobte Bulls-Präsident Daniel Mischner. „Er ist ein strukturiert arbeitender Trainer, der seinen Weg sicher machen wird.“

Unter Fosters Führung konnten die Bulls den Serienmeister Tilburg 4:2 bezwingen, besiegten im Derby Leipzig auswärts mit 7:3. In den Playoffs schalteten die Bulls in drei Spielen Memmingen aus und erfüllten so das Saisonziel Viertelfinale. Dort beendeten die Bulls im ersten Spiel mit einem 7:3 in Bayern die 15-Spiele-Siegesserie des EV Landshut. Es war die letzte Duftmarke der kurzen Ära Foster. „Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit der Zeit in Halle“, sagte der, trotz der Enttäuschung zum Schluss. „Die Mannschaft hat eine große Entwicklung genommen, sie hat all das umgesetzt, was ich gefordert habe. Es war daher die absolut richtige Entscheidung hierher zukommen.“

Auch, weil die Fans den klar analysierenden und auch so kommunizierenden Trainer schnell in ihre Herzen schlossen. Woche für Woche feierten sie ihn mit Sprechchören. „Dass die Fans meinen Namen geschrien haben, bleibt in meinem Herzen“, sagte Foster. Dafür will er sich am Samstag bei der Saisonabschlussparty persönlich bedanken.

Ryan Foster: „Ich wollte mir einen Namen in Deutschland machen, das hat geklappt“

Ab Sonntag steht dann schon wieder Eishockey auf dem Programm. Foster reist zur Nachwuchs-WM nach Ungarn, wo die U18 von Österreich spielt. Die hatte Foster vor seinem Engagement in Halle betreut. „Ich will das Team vor Ort unterstützen.“

Die berufliche Zukunft soll aber in Deutschland liegen. Mit seinem erfolgreichen Auftritt in Halle ist Foster genau das gelungen, was er sich vorgenommen hatte. „Ich wollte mir einen Namen in Deutschland machen, das hat geklappt“, sagte er. Es gebe Interesse von anderen Oberligavereinen aber auch aus der DEL2.

Durchaus möglich also, dass Foster nächste Saison als Gegner nach Halle zurückkehrt. (mz, 09.04.2019)