„Das war’s!“ – Kapitän Kai Schmitz muss Karriere beenden

Es war einer der weiteren ungezählten Versuche in den zurückliegenden Wochen, bei dem Kai Schmitz für sein Comeback arbeitete. Immer den Wunsch vor Augen, in Kürze auf das Eis zurückzukehren. Doch am Dienstagnachmittag, etwas mehr als zwei Wochen nach seinem 535. Spiel für die Saale Bulls und 16 Jahre nach seiner ersten Partie für die Händelstädter, dann die niederschmetternde Erkenntnis: „Das war’s, meine Karriere ist vorbei.“ Ein Entschluss, den der Verteidiger, ob des Wissens um die Alternativlosigkeit anschließend in kleiner Runde, emotional sichtlich angefasst, bekanntgab. Ein bitterer Moment für Schmitz, sich das abrupte Ende seiner Profilaufbahn eingestehen zu müssen. Aber zu groß waren die chronisch gewordenen Schmerzen im Knöchel. „Mein Körper ist hinüber, ich werde wohl mit den Schmerzen leben müssen“, so die Selbsteinschätzung des 36-Jährigen, der sich 20 Jahre lang in den Dienst seiner Mannschaften stellte und dabei den Großteil seiner Karriere bei den Saale Bulls verbrachte. 

Mit temporären Unterbrechungen lief der gebürtige Kölner seit seinem Wechsel an die Saale im Jahr 2005 in 14 Spielzeiten für die Bulls auf und gehörte seit 2015 wieder ununterbrochen dem Kader an. In dieser Zeit konnte der Linksschütze 54 Tore (sieben zur Führung, sechs zum Sieg, 19 in Über-, eins in Unterzahl) erzielen und in Summe 262 Scorerpunkte sammeln – das Ganze bei insgesamt 1.676 Strafminuten. Mit zunehmendem Alter und damit einhergehender Erfahrung wandelte sich Schmitz im Laufe der Zeit, vom als Enforcer und Goon verschrienen Spielers, hin zu einem Leitwolf und Leader. Insgesamt 186 Mal führte er die Mannschaft in den letzten Jahren mit dem „C“ auf der Brust aufs Eis und avancierte zum Rekordkapitän. In dieser Funktion stand er regelmäßig für seine Mitspieler ein, war Motivator und Antreiber zugleich. Es dürfte wohl keinen Akteur geben, der in den letzten Jahren seinen Körper so sehr geschunden und sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Schmitz polarisierte, nahm bewusst die Rolle des Prellbocks ein, wenn Fans oder auch Medien das Team oder die Leistung kritisierten und galt auf dem Eis als einer der immer weniger werdenden ‚echten Typen‘.

Bereits im Juli 2018 schien die Karriere beendet, ein Achillessehnenriss während des Sommertrainings ließ seinerzeit Böses erahnen. Doch Schmitz kämpfte sich ganz seinem Naturell entsprechend zurück, wollte das Ende seiner Laufbahn selbst bestimmen. Die beiden folgenden Spielzeiten waren die punktemäßig erfolgreichsten seiner gesamten Zeit in Halle. Wie der sprichwörtliche Wein wurde die hallesche Nummer 91 immer besser und zeigte sich in der zurückliegenden Saison, mit zehn Treffern, so torgefährlich wie nie zuvor in seiner Laufbahn. Die laufende Spielzeit, dies stand für Schmitz und die Verantwortlichen bereits im Vorfeld fest, würde die letzte seiner Laufbahn sein. Ein Gedanke, der bereits ein Jahr zuvor im Raum stand, doch ein stilles Verlassen der Eisfläche nach einer Coronasaison ohne Zuschauer kam für den Kapitän nicht in Frage. Noch ein Jahr spielen, die vergangene erfolgreiche Saison wiederholen, das gemeinsame Ziel in Angriff nehmen – so sah die ursprüngliche Planung aus.

Auch wenn der Begriff „Ära“ stellenweise sehr inflationär verwendet wird, so ist er in diesem Fall mehr als gerechtfertigt: Mit dem Karriereende von Kai Schmitz verliert der hallesche Eishockey DAS Gesicht der letzten anderthalb Jahrzehnte. Er war der Letzte noch im aktuellen Kader befindliche Akteur, der schon in der mittlerweile abgerissenen Eissporthalle für die Bulls stürmte und neben dem sportlichen Aufstieg von der Regional- in die Oberliga auch die zunehmende Professionalisierung aktiv miterlebte und gestaltete.

Die Verantwortlichen des MEC Halle 04 e.V. bedauern das Karriereende von Kai Schmitz, der schon seit geraumer Zeit in Personalunion auch als Sportlicher Leiter fungierte, sich nun ausschließlich auf diesen Posten konzentrieren wird. „Auch wenn es aktuell alles noch sehr emotional für mich ist, dass ich das erste Mal überhaupt in meinem Leben kein Eishockeyspieler mehr sein werde, so freue ich mich auf diese Funktion“, so Schmitz, der bereits maßgeblich an den Verpflichtungen von Tatu Vihavainen, Patrick Schmid, Roman Pfennings oder auch Joonas Niemelä verantwortlich war.

„Ich habe ein großes Netzwerk und werde alles daransetzen, den Verein noch weiter zu professionalisieren.“ Auch wenn Schmitz ab sofort nicht mehr aktiv ins Spielgeschehen eingreifen kann, so wird er doch dafür sorgen, dass seine Handschrift auch weiterhin auf dem Eis zu sehen ist.

„Es wird schwer bis unmöglich, einen Kai Schmitz auf dem Eis zu ersetzen, denn ‚Typen‘ wie er werden immer weniger. So bitter sein Verlust als Spieler auch ist, umso wichtiger wird er nun in der Position als Sportlicher Leiter für uns sein“, so MEC-Präsident Daniel Mischner. „Wir liegen seit Anfang an auf einer gemeinsamen Wellenlänge, vertrauen einander und sind von seinen Fähigkeiten absolut überzeugt.“ Es steht außer Frage, dass die Saale Bulls dem zum Hallenser gewordenen „Kölsche Jung“ zu gegebener Zeit einen entsprechenden Abschied vom Eis und den Fans zu ermöglichen, die ersten Planungen dazu sind bereits angelaufen. Bis dahin bleibt nichts anderes übrig, als sich bei Kai Schmitz für dessen Einsatz und Engagement zu bedanken – Danke Kai! (Jy)