Es ist nicht bekannt, ob es im Saale-Bulls-Kader bekennende Schlagerfans oder Anhänger von Roland Kaiser gibt. Und doch wird sicherlich der eine oder andere am Mittwochabend, genauer gesagt in der Wedemark bei den Hannover Scorpions, an einen ganz bestimmten Song des Künstlers gedacht haben. Ich glaub, es geht schon wieder los. Das darf doch wohl nicht wahr sein, heißt es in einem der unzähligen Hits des Sängers – und genau so fühlten sich wahrscheinlich auch die Mannen um Kapitän Sergej Stas just in den Anfangsminuten der Partie.
Denn wie schon beim historischen 1:11-Debakel an gleicher Stelle Mitte Oktober lag man auch dieses Mal im Spitzenspiel, reisten die Bulls doch als Tabellenführer zu den hinter ihnen platzierten Niedersachsen, frühzeitig im Hintertreffen. Nach gerade einmal 241 Sekunden und zwei Gegentoren sah sich Head Coach Ryan Foster zu seiner Auszeit genötigt, der Auftakt nach der 17-tägigen Zwangspause war alles andere gelungen. Doch im Gegensatz zum Oktober steckten die Bulls, die ohne Maurice Becker, Joonas Niemelä, Jannik Striepeke, Dennis Schütt und Michael Fomin anreisten, den frühen Schock weg und nahmen den Kampf wortwörtlich an. Harte Checks und eine von beiden Seiten gelebte physische Spielweise prägten von Anfang die Partie gegen den Deutschen Meister von 2010, bereits nach 38 Sekunden durften die ersten Akteure wegen übertriebener Härte zwei Minuten lang Platz auf der harten Strafbank nehmen. Sechs Zeigerumdrehungen später dann der erste Faustkampf der Begegnung, Brad Ross und Pascal Grosse gerieten aneinander und hatten anschließend fünf Minuten Zeit abzukühlen – und gemäß dem Verursacher-Prinzip erhielt der Deutsch-Kanadier zwei zusätzliche Strafminuten, die Lukas Valasek mit einem Nachschuss im Powerplay zum 1:2-Anschlusstreffer nutzen konnte und somit für den ersten Pausenstand sorgte.
Im zweiten Abschnitt einer spannenden und hochklassigen Partie war es Patrick Schmid, der an alter Wirkungsstätte – der Angreifer war vor seinem Wechsel im Sommer nach Halle zuvor vier Jahre für die Mellendorfer aktiv – kurz nach Wiederanpfiff mit einem Direktschuss aus halblinker Position unmittelbar hinter der blauen Linie mit dem Ausgleichstreffer die Partie wieder auf Anfang setzte. In der Folgezeit waren die Hausherren zwar optisch überlegener und mit den zwingenderen Torchancen, doch Jakub Urbisch im Gehäuse der Hallenser konnte sich ein ums andere Mal auszeichnen, sodass es mit einem Unentschieden in die zweite Pause ging.
Mit einer Powerplayquote von über 28 Prozent sind die Saale Bulls das beste Überzahlteam der Liga – und das bewiesen sie auch im Schlussabschnitt. Kaum schloss sich hinter Scorpions-Angreifer Robin Just die Strafbanktür, so durfte sich 27 Sekunden später wieder geöffnet werden. Tatu Viahavainen traf aus nahezu identischer Position wie zuvor Schmid und sorgte somit für die erstmalige Führung des Tabellenführers an diesem Abend. Die Hausherren, die drohende Niederlage vor Augen, setzten am Ende alles auf eine Karte, zogen Goalie Brett Jaeger zu Gunsten eines sechsten Feldspielers. Und das Risiko wurde belohnt: Während die halleschen Angreifer dreimal den Puck neben das verwaiste Gehäuse der Scorpions setzten, gelang dem amtierenden Nordmeister nach einem schön herausgespielten Tiki-Taka-Angriff 35 Sekunden vor der Schlusssirene der nicht unverdiente Ausgleich.
Eine gerechte Punkteteilung, keine Frage. Doch wer sichert sich den Zusatzpunkt? Die Niedersachsen, die mit dem einen Zähler bis auf drei Punkte an die Bulls heranrücken könnten oder die Hallenser, die ihrerseits mit dem Zusatzpunkt die Chance hätten, den Vorsprung auf die Scorpions auf fünf Zähler auszubauen? Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, nach 46 Sekunden herrschte Klarheit: Vihavainen mit seinem zweiten Treffer des Abends beendete das Spitzenspiel zu Gunsten der Händelstädter und sorgte somit für eine mehr als erfolgreiche Rückkehr seiner Farben in den Spielbetrieb. (Jy)
 
Hannover Scorpions – Saale Bulls Halle 3:4 n.V. (2:1, 0:1, 1:1, 0:1)
    
1:0 (02:17) Valery Trabucco (Koziol, Raabe)
2:0 (04:01) Just (Airich, Klöpper)
2:1 (08:24) Valasek (Sturm, Schmid)
2:2 (23:29) Schmid (Valasek)
2:3 (44:45) Vihavainen (Sturm, Schmid – PP1)
3:3 (59:35) Just (Ross, Supis – PP1)
3:4 (60:46) Vihavainen (Halbauer)

Strafminuten: Hannover Scorpions 12 + 5 Ross, Saale Bulls Halle 10 + 5 Grosse