Während der Eishockey- WM 2017 in Deutschland gehörten Elvijs Biezais und Rustams Begovs nicht dem lettischen Nationalteam an, sondern trugen bereits zuvor (Biezais) bzw. erst danach das weinrote Trikot ihres Heimatlandes. Seit dieser Saison nun streifen sich beide Angreifer das Trikot des Herforder EV über und bilden mit dem Deutsch-Letten Ralf Rinke eine, wenn nicht sogar d i e gefährlichste Angriffslinie der gesamten Liga. Gemeinsam kommt die lettische Sturmreihe auf 218 Scorerpunkte, war mit 85 Toren für knapp 60% der bislang 149 durch die Ice Dragons erzielten Treffer verantwortlich. Wenig verwunderlich, dass sich das Trio in den Top-10 der ligaweiten Top-Scorer-Wertung wiederfindet. Das Experiment der HEV-Verantwortlichen, im vergangenen Sommer neben dem international erfahrenen Biezais (seit 2013 bereits in Finnland, Kasachstan, Weißrussland, Polen, Frankreich) nach zuletzt zwei Spielzeiten bei den Dresdner Eislöwen in der DEL2 auch dessen Landsmann Begovs, der zuvor ausschließlich in seiner Heimat auf dem Eis stand, zu verpflichten, ist vollends geglückt – nur stimmen seit Jahresbeginn die Ergebnisse nicht mehr.
 
Nach durchwachsenem Saisonstart etablierte man sich vor allem im November und Dezember immer mehr in der Liga, das vorgenannte Sturm-Trio belegte Rang eins, zwei und sechs der Scorerwertung und die Ice Dragons standen relativ sicher auf einem Pre-Playoff-Platz. Doch genauer dieses Saisonziel des HEV ist nun mehr als je zuvor in Gefahr. Nach lediglich drei Punkten aus den 13 Partien des Kalenderjahres 2022 droht mittlerweile die Gefahr, noch von den Moskitos Essen abgefangen zu werden. Und ausgerechnet jetzt droht auch noch der Ausfall von Begovs, den eine Schulterverletzung auf unbestimmte Zeit außer Gefecht setzt.
 
Es wird der erste Auftritt der Herforder im Sparkassen-Eisdom seit fast einem Jahr sein. Nachdem bereits in der abgelaufenen Spielzeit ein Duell Ende März dem Coronavirus zum Opfer fiel. So musste auch das erste in dieser Saison für Mitte Dezember in Halle geplante Duell Covid-19-bedingt abgesagt werden, für den angesetzten Nachholtermin Mitte Januar bekamen die Ostwestfalen aufgrund von Verletzungen und Krankheiten keine spielfähige Mannschaft zusammen.
 
Nun also der vierte Versuch. Und hoffentlich das Ende aller Rechenspiele. Denn mit lediglich einem gewonnenen Zähler – und sollten die Bulls anschließend alle weitere Spiele verlieren und die Scorpions ihrerseits noch sechs Partien austragen und allesamt gewinnen – betrüge der hallesche Punkteschnitt am Ende 2,29 und wäre nicht mehr einzuholen, die Niedersachsen kämen lediglich auf 2,27. Aber was gäbe es schöneres, als den fünften Meistertitel sportlich mit einem Sieg auf dem Eis klarzumachen als den Taschenrechner bemühen zu müssen…
 
Es ist also alles angerichtet für die finale Meisterpartie vor eigenem Publikum – ein Vorbeikommen im Sparkassen-Eisdom am morgigen Dienstag somit Pflicht! (Jy)