Der Spielplan sah am gestrigen Abend das 51. Mitteldeutsche Derby zwischen den gastgebenden EXA IceFighters Leipzig und den Saale Bulls vor. Nicht nur aufgrund der Rivalität der beiden Nachbarstädte eine besondere Ansetzung, auch tabellarisch das Spitzenspiel der Oberliga Nord: Die zweitbeste Offensive trifft auf die beste Defensive der Liga, das beste Powerplay auf das stärkste Penaltykilling, die punktgleich mit Tilburg an der Tabelle positionierten Bulls reisten zu den nur zwei Zählern dahinter stehenden Sachsen. „Das ist ein Sechs-Punkte-Spiel“, so MEC-Coach Ryan Foster vor der Abreise. „Entweder wir sind fünf Punkte vor Leipzig oder einen hinten dran.“ 

In der Messestadt erwischte seine Mannschaft dann einen denkbar schlechten Start, unmittelbar nach dem Eröffnungsbully ging der Arm der Unparteiischen nach nur 14 Sekunden nach oben – und Kapitän Sergej Stas mit der ersten Strafe der Partie vom Eis. Die Gastgeber ließen sich nicht lange bitten und nutzten die numerische Überlegenheit zur Führung. Der US-Amerikaner Connor Hannon wurde direkt von der Spielerbank kommend mit einem perfekten Querpass von Maximilian Spöttel bedient und überwand Jakub Urbisch, der von Foster den Vorzug vor Sebastian Albrecht erhielt und so zu seinem ersten Saisoneinsatz nach überstandener Verletzung kam. Mit aggressiven Forechecking verhinderten die IceFighters regelmäßig den Spielaufbau der Hallenser und bauten ihren Vorsprung in der 13. Minute aus. Ian Farrell reagierte gedankenschnell, als ihm der Puck nach einem unglücklich, von einem halleschen Spieler abgefälschten Puck vor die Kelle fiel, netzte aus der Drehung ein und sorgte somit für den aus Leipziger Sicht nicht unverdienten 2:0-Pausenstand. „Das erste Drittel war nicht gut von uns“, so Foster. „Wir hatten zu viele Fehlpässe und haben zu kompliziert gespielt.“

In der Kabine scheint der Coach dann die richtigen Worte gefunden zu haben, denn mit Beginn des zweiten Drittels hatten die Händelstädter deutlich mehr Zugriff auf die Partie. Benötigten die IFL im Auftaktdrittel 86 Sekunden für den ersten Torerfolg, netzten die Bulls 107 Sekunden nach Wiederbeginn zum 1:2 ein. Liga-Top-Scorer Joonas Niemelä sorgte alleinstehend im Slot per tip-in für den Anschlusstreffer, Erik Hoffmann setzte zwölf Minuten später mit einem Schuss vor der blauen Linie, vorbei an Freund und Feind, mit dem Ausgleich wieder alles auf Anfang – mit einem 2:2 ging es in die zweite Drittelpause.

Und erneut erwischten die Saale Bulls einen idealen Auftakt. 101 Sekunden nach Beginn des Schlussabschnittes schloss Roman Pfennings eine Eins-gegen-eins-Situation gegen IFL-Schlussmann Patrick Glatzel erfolgreich ab. Mit einem Schuss über die Fanghand in den linken oberen Winkel sorgte der Angreifer für die erstmalige Führung seiner Farben, die Tatu Vihavainen keine Zeigerumdrehung später – ebenfalls mit einem Treffer in den linken oberen Winkel – zum 4:2 ausbaute. „Das letzte Drittel war sehr spannend“, spielte Foster nach der Partie auf die Tatsache an, dass die Eiskämpfer diesen Nackenschlag wegsteckten und in der 48. Minute verkürzen konnten. Der 3:4-Anschlusstreffer als Blaupause des halleschen Ausgleichs: Joonas Riekkinen zog links an der blauen Linie stehend ab, der Puck fand seinen Weg an Gegen- und Mitspielern vorbei in die Maschen hinter Urbisch. 

Im Anschluss bot sich den Gastgebern die Chance, in Überzahl den Ausgleich zu erzielen, doch die gegen Pfennings verhängte Strafzeit nutzt Vihavainen per Shorthander zum 5:3 und dem schlussendlichen Game-Winning-Goal. Leipzig konnte zwar noch mit einem Powerplaytreffer auf 4:5 verkürzen, am Ende sicherten sich jedoch die Saale Bulls die volle Punktzahl. „Unsere Chancenverwertung war heute sehr gut“, so Head Coach Foster nach einem spannenden Derby, welches nach Aussage von IFL-Coach Sven Gerike „nicht die bessere, sondern die cleverere Mannschaft“ gewonnen hat. „Es war ein hartes Spiel, gerade im ersten Drittel haben wir uns sehr schwer getan. Danach sind wir gut zurück gekommen und haben unsere Chancen genutzt“ „, so der Torschütze zum 2:2-Ausgleich, Erik Hoffmann. „Am Ende haben wir den Sieg clever über die Zeit gebracht und die wichtigen drei Punkte geholt.“ (Jy)


EXA IceFighters Leipzig – Saale Bulls Halle 4:5 (2:0, 0:2, 2:3)

1:0 (01:26) Hannon (Spöttel, Farrell – PP1) 

2:0 (12:47) Farrell (Riekkinen, Klaus) 

2:1 (21:47) Niemelä (Halbauer, Schmid) 

2:2 (33:37) Hoffmann (Niemelä, Schmid) 

2:3 (41:41) Pfennings (Schmid, Niemelä) 

2:4 (42:27) Vihavainen (Fomin, Stas) 

3:4 (47:51) Riekkinen (Schön, Slanina) 

3:5 (50:06) Vihavainen (Valasek, Gollenbeck – SH1) 

4:5 (50:40) Klaus (Stopinski, Spöttel – PP1) 

Strafminuten: Leipzig 10, Halle 14