Keine Serie hat auf Dauer Bestand. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die Siegesserie der Saale Bulls reisen wird. Nach zuvor zehn Erfolgen am Stück musste das Team am gestrigen Mittwoch erstmals seit Anfang November die Eisfläche wieder als Verlierer verlassen – nicht aber ohne einen Punktgewinn: Bei den gastgebenden Crocodiles Hamburg unterlag die aus der coronabedingten Zwangspause wieder in den Spielbetrieb eingestiegene Mannschaft um Kapitän Erik Gollenbeck, mit 2:3 nach Verlängerung.

Ohne den etatmäßigen Kapitän Sergej Stas sowie Roman Pfennings, Michael Fomin, Eric Steffen und Pascal Grosse reisten die Bulls personell dezimiert gen Norden, wo man sich dem Tabellenvierten gegenübersah. Und die Hanseaten machten von Beginn an deutlich, dass man nicht gewillt sein würde, dem Spitzenreiter klein beizugeben. Raik Rennert setzte mit einem satten Blueliner nach gerade einmal 106 Sekunden ein klares Zeichen und netzte zur Führung für die Crocodiles ein. Die Hausherren dominierten das Auftaktdrittel quasi nach Belieben, die Torschussstatistik von 18:3 zu Gunsten Hamburgs spricht eine deutliche Sprache – am Ende der ersten zwanzig Minuten hieß es ’nur‘ 0:1 aus hallescher Sicht. „Wir waren ständig unter Druck. Hamburg war schneller und bissiger als wir und wir hatten eigentlich Glück, dass wir nicht mit 0:2, 0:3 oder 0:4 hinten lagen“, so Bulls-Coach Ryan Foster über den ersten Spielabschnitt.

Mit Beginn des zweiten Drittels kam seine Mannschaft besser ins Spiel, konnte mit dem ersten Angriff den Ausgleich erzielen, Tatu Vihavainen zog aus halblinker Position ab und netzte den Puck über die Fanghand von Crocodiles-Goalie Kai Kristian ins lange Eck ein. Acht Minuten später dann der große Aufreger der Partie: Dennis Gulda ließ sich zu einem – und so ehrlich muss und sollte man auch trotz Vereinsbrille sein – „dreckigen“ Stockschlag gegen Vojtech Suchomer hinreißen und erwies seinem Team durch die zurecht mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe geahndeten Aktion einen Bärendienst. „Wenn er sofort die Handschuhe fallen lässt ist das in Ordnung, aber so eine Aktion gehört nicht zum Eishockey“, so Foster. „Das schadet nur der Mannschaft.“ Harrison Reed nutzte das daraus resultierende Powerplay aus und schoss seine Farben wieder in Führung. Doch der Vorsprung hatte nur drei Minuten Bestand, denn Bulls-Defender Maurice Becker sorgte mit seinem zweiten Saisontor für den abermaligen Ausgleich, gleichbedeutend mit dem zweiten Pausenstand.

Der dritte Spielabschnitt war dann völlig offen, die Bulls versäumten es, aus den sich bietenden Überzahlsituationen Kapital zu schlagen. „Da haben wir immer den ’schönen Pass‘ gesucht, haben viel zu selten geschossen“, so Foster, der nach einem torlosen Schlussdrittel mit seinem Team in Overtime den Hamburger Siegtreffer durch Thomas Zuravlev kassierte.

Trotz der erst vierten Saisonniederlage sind die Saale Bulls weiterhin Tabellenführer der Oberliga Nord, haben bei nun gleicher Anzahl absolvierter Partien drei Zähler Vorsprung auf die Tilburg Trappers, die am zweiten Weihnachtsfeiertag beim Drittplatzierten Hannover Scorpions antreten müssen, während die Bulls die Rockets der EG Diez-Limburg im Sparkassen-Eisdom zu Gast haben, Bully am Sonntag ist 18.15 Uhr. (Jy)


Crocodiles Hamburg – Saale Bulls Halle 3:2 n.V. (1:0, 1:2, 0:0, 1:0)
   

1:0 (01:46) Rennert (Verelst, Domogalla)

1:1 (21:23) Vihavainen (Valasek, Schütt)

2:1 (32:46) Reed (Tramm, Reimer – PP1)

2:2 (35:53) Becker (Vihavainen, Hoffmann)

3:2 (64:03) Zuravlev (Lascheit, Rennert)

Strafminuten: Crocodiles Hamburg 11, Saale Bulls Halle 56