Fußball und Eishockey haben gemeinhin nicht all zu viel gemeinsam. Und doch darf an dieser Stelle die Frage erlaubt sein, was u.a. Thomas Helmer (Bayern München), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen) und Nils Liesegang (Herner EV Miners) verbindet? Richtig, sie gelten als Schützen eines sogenannten Phantomtors. Hierbei handelt es sich um eine Bezeichnung aus der Sportberichterstattung und steht für einen Treffer, der vom Schiedsrichter anerkannt wird, obwohl der Ball oder Puck die Torlinie nicht den Regeln entsprechend überschritten hat. So geschehen auch beim Auswärtsspiel am Mittwochabend am Herner Gysenberg, doch dazu später mehr.

Der Tabellenführer der Oberliga Nord reiste mit einem zum Sonntag gegen Tilburg veränderten Kader nach Nordrhein-Westfalen. Head Coach Ryan Foster musste neben den beiden weiterhin ausgefallenen Joonas Niemelä und Dennis Schütt auch auf Kapitän Sergej Stas und Patrick Schmid verzichten, konnte dafür jedoch Jannik Striepeke und Niklas Hildebrand wieder ins Line-up aufnehmen. Und Foster wusste bereits im Vorfeld, was ihn und seine Mannschaft bei den Miners erwarten würde. „Wenn man nach Herne reist wird es immer ein Kampf“, so der Austro-Kanadier. „Die haben eine hohe Intensität und wir haben im ersten Drittel gut dagegen gehalten.“ Dies war auch notwendig, denn der Gastgeber war nicht nur optisch die etwas überlegenere Mannschaft, auch die Schussstatistik weist nach den ersten zwanzig Minuten mit 17:10 eine um sieben höhere Zahl zu Gunsten der Miners aus – am Ende stand jedoch ein 1:0 für die Bulls auf dem Scoreboard: Lukas Valasek nutzte in Unterzahl einen Zwei-auf-eins-Konter und sorgte mit dem sechsten Shorthander der laufenden Spielzeit für die Führung der Händelstädter, während die Miners bereits zum zehnten Mal in eigener Überzahl einen Gegentreffer quittieren mussten – Liga-Höchstwert. Im Anschluss bot sich u.a. Erik Gollenbeck als auch Michael Fomin die Möglichkeit, die hallesche Führung auszubauen, doch beide scheiterten am hervorragend aufgelegten HEV-Torhüter Björn Linda.

Ein ähnliches Bild auch im zweiten Abschnitt, in dem abermals beide Goalies im Mittelpunkt standen. Die Hausherren schossen erneut öfter auf das von Jakub Urbisch bewachte Bulls-Gehäuse (18:11), scheiterten aber ein ums andere Mal am 25-Jährigen. Erst in der 28. Minute war der Linksfänger bei einem Schuss von HEV-Angreifer Nils Liesegang machtlos, dafür rettete jedoch der Pfosten die Führung für die Hallenser. So zumindest dachte man, prallte der Puck doch eindeutig vom Gestänge zurück ins Spielfeld, befand sich nicht einmal ansatzweise in der Nähe der Torlinie – doch Hauptschiedsrichter Maris Kruminsch entschied auf einen regulären Treffer. Ein Phantomtor setzte die Partie somit wieder auf Anfang und beweist einmal mehr, weshalb der in der kommenden Spielzeit geplante Videobeweises auch in der Oberliga die einzig richtige Entscheidung ist.

Im Schlussabschnitt stand Tim May unmittelbar nach Wiederanpfiff goldrichtig im Slot, als er einen Abpraller zur 2:1-Führung seiner Farben verwertete. Miners-Coach Danny Albrecht setzte kurz vor Schluss alles auf eine Karte, zog Linda zu Gunsten eines sechsten Feldspielers und versuchte alles, um den späten Ausgleich und somit die Verlängerung zu erzwingen – vergebens. Am Ende war es die von Albrecht angesprochene mangelhaften Chancenverwertung seiner Miners, einhergehend mit den Paraden von Urbisch, die einen Punktgewinn des HEV verhinderten und somit knappen Erfolg des Tabellenführers ermöglichten. „Heute hatten wir auch ein wenig das Glück auf unserer Seite“, so die ehrliche Einschätzung von Foster nach Spielende.

Somit revanchierten sich die Saale Bulls mit dem gleichen Resultat für die vor vier Wochen gegen den Herner EV kassierte 1:2-Niederlage und knackten mit den drei gewonnen Zählern die magische 100-Punkte-Marke, stehen nun mit 102 Zählern weiterhin auf Tabellenplatz eins der Oberliga Nord. (Jy)

Herner EV Miners – Saale Bulls Halle 1:2 (0:1, 1:0, 0:1)

    

0:1 (07:15) Valasek (Becker, Walkowiak – SH1)

1:1 (27:37) Liesegang (Marsall, Peleikis)

1:2 (41:05) May (Hildebrand, Pfennings)

Strafminuten: Herne 10, Halle 6